Geschichtliches über Kriegshaber
I. Der Orts-Name Kriegshaber
soll nach Grim, deutsche Mythol. II. Bd. p.269. von einem durch die
Sueven hier grausam getödteten Befehlshaber Avar, Sohn des
griechisch. Königs Bogud, herstammen. Dieser Grieche, Grecus Avar,
habe c. 200 v.Christus mit einem römisch griechischen
(Macedonisch) Heere Augsburg belagert, wo damals die Göttin Cisa
verehrt wurde, sei aber am 59.Tage nach seiner Ankunft durch die aus
den Wäldern plötzlich hervorbrechenden Sueven an der Stelle,
wo jetzt Kriegshaber steht, im kgl.Gewande gefangen und nach Art der
Thiere geschlachtet worden. Grecus Avar, pecudis more de Suevis
mactatus est, a quo in loco, ubi mactatus est, vicus usque hodie
appellatus est Chrekeshaberon Crikesaver = Krieghaber.l.c.
Eine andere Ansicht leitet den Namen Kriegshaber von den im Mittelalter
dahier befindlichen Höfen her, die auf den damal. Sandboden =
Gries, vorzüglich Haber bauten, daher Grieshaber=Kriegshaber.
Jedenfalls datiert sich der Ursprung und die Entstehung der Ortschaft
Kr. in die älteste Zeit zurück.
II. Das Filialdorf Kriegshaber,
1/2 St. von Oberhausen, 3/4 St. von Augsburg entfernt, gehörte bis
zum 18. März 1864 zur Pfarrei Oberhausen. Da die Pfarrbücher
und Akten Oberhausens nicht weiter als bis zur Zeit nach dem
30jährig.Kriege zurückgehen, kann von der früheren Zeit
nichts Zuverläßiges. notiert werden. Zweifelsohne
befanden sich schon längst vor dem Schwedenkriege Christen hier.
Aber auch Juden bewohnten diesen Ort seit unfürdenklichen Zeiten
und wuchs ihre Zahl bis a.1848 auf ca. 300 heran. Seit dem Jahre
1848, wo sie auch in Städte übersiedeln durften nahmen sie
bedeutend ab, so daß jetzt 1866 kaum mehr die Hälfte sich
hier befindet. Besonders zogen die reicheren Judenfamilien fort, von
welchen die Taglöhner der hiesigen kathol. Bevölkerung
vielfach ihr Brod verdienen konnten, aber leider auch wegen
Waschen und Putzen etc. bei den Juden manchen Sonntag entheiligten.-
Die ursprüngliche Filialkirche-Kapelle wurde im Jahre 1689 von
Simon Magg, Bauer dahier und dessen Ehefrau Elisabet aufgebaut u. mit
50 fl. zu baulicher Unterhaltung dotiert. Am 6ten Dez.1689 erlaubte das
bischöfl. Generalvikariat die Lesung der hl. Messe in derselben. Im
Jahre 1717 wurde diese Kapelle abgebrochen, neu aufgebaut und
vergrößert, aber nicht mehr am alten Orte, sondern da, wo
das Kirchlein jetzt 1866 steht, welches noch diese im Jahre 1717
erbaute Kapelle ist und durch verschiedene Anbauten ihre jetzige
Gestalt erhielt. Aus den Ordinariatsakten, Steichele: Patrocinium dieser
Kapelle ist Mariä Heimsuchung, wahrscheinlich weil die Ehefrau des
Stifters Elisabet Magg eine besond.Verehrung zur Mutter Gottes u. ihre
hl. Base Elisabet und diesem Geheimnisse Mariä Heimsuchung
getragen hat. Da die Zahl der Katholiken dahler schon zu Anfang dieses
19ten Jahrhunderts über 600 betrug, wurde schon im vorigen Jahrh.
alle Sonntage eine hl. Frühmesse in der Kapelle gelesen und der
fremde Geistliche hiefür durch eine Umlage, das sog.
Kapellengeld, das jährlich bis auf 150 fl stieg, honoriert.
Von 1850 an wurden auch durch den Pfr. oder Kaplan von Oberhausen die
nachmittägl. Sonntags-Christenlehren hier gehalten.
III. Errichtung einer Expositur=
exponirten Kaplanei in der Filiale Kriegshaber, da die Zahl der
Filialisten in den letzteren Jahrzehnten sehr rasch zugenommen hat, so
wurde das Bedürfnis nach einem eigenen Geistlichen im Orte von
Jahr zu Jahr dringender und die Sache auch bei den
geistl.u.weltl.Behörden betrieben, allein lange vergeblich. Erst
als im Jahre 1857 die Pfarrei Oberhausen erledigt wurde, indem der
damalige H. Pfr. Schlund nach Oberhausen kam, war ein Erfolg zu hoffen,
da das b. Ordinari. Augsburg bei Ausschreibung der erled. Pf. Oberh.
die Bemerkung machte, daß ein künftiger Pfarrer von
Oberhausen wegen der beabsichtigten Errichtung einer eigenen
Seelsorgstelle in Kriegshaber eine Minderung s. Einkommens sich
gefallen lassen müsse. Der damalige Ortsvorsteher Michael Steppich,
Mittelbauer v der schon als Gemeindepfleger c. 10 Jahre lang vorher
Schritte gethan, um einen eigenen Geistlichen für Kriegshaber zu
bekommen nahm sich nun dieser Sache mit Eifer an, und brachte es durch
kluge und nachhaltige Bemühung dahin, daß schon am
1sten Okt.1859 der Expositus in der Person des die Pfarrei Oberhausen
Nov. u. Dez. 1857 u. Januar 1858 vikarirenden Priesters Jos. Dirr v.
Fristing aufgestellt werden konnte,welchem auch der genannte
Mich.Steppich in Ermangelung einer anderen zweckmäßigen
Logie, sein kleines Nebenhaas als Wohnung darbot und ihn in seiner
seelsorglichen Stellung und FUhrung der Ubertragenen Vorstandschaft der
Kirchenverwaltung, Lokalarmenpflege u.Lok-schulinspektion kräftig
unterstützte. In dieser Wohnung brachte der Expositus Dirr 4 Jahre
u. 2 Monate zu bis ein neues Pfarrhaus erbaut war. Auch starb in
derselben Wohnung vor einigen Jahren vorher ein gewisser Benefiziat
Lutzenberger, der bloß kurze Zeit dahier sich aufhielt als
Commorant u. in Oberhausen begraben wurde, dessen Grabstein aber
auf den hiesigen Gottesacker im Jahre 1864 versetzt worden ist. Vor
Aufstellung eines eigenen Geistlichen in der Filiale Kriegshaber
mußte ein eigener Begräbnisplatz, der kathol. Gottesacker
angelegt und erbaut werden. Auf regen Betrieb des Vorsteher
Steppich wurden schon im Winter 1857 und 1858 Steine hergeführt,
der Platz um 700 fl. erworben, und war bis in Spätherbst 1858 das
ganze Werk vollendet um 3500 fl.
Diese Kosten deckte die Gemeinde durch Einnahmen aus den
verkauften in 4 Klassen eingetheilten Grabstätten. Da sich
besonders in der Cholerazeit 1854
zeigte, daß der Oberhauser-Gottesacker für Oberhausen,
Neusäß u. Kriegshaber viel zu klein sei, mußte von da
an um so mehr auf Herstellg. eines neuen Gottesacker dahier
gedrungen werden. Die kirchl. Einweihung
des neuen Gottesacker geschah am 26. 0ctob. 1858 durch H.
Pfr.Völker v. Oberh. unter Assistenz von mehreren benachbarten
H.H.Geistlichen. Darnach wurde beim Gastwirth Spieß
ein frugales Mahl gehaltene Tags darauf fand schon die erste
Leiche auf dem Gottesacker statt - eine Kindslelche namens Walburga
Zimmermann. Und nach Umfluß eines Jahres ruhten schon 40 Kinder
und 14 Erwachsene auf dem neuen Friedhofe.
Die erste Leiche von Erwachsenen war die des Schuhmachermeisters Sebastian Dietmalr 9.Nov.1858., 79 Jahre alt.
IV. Erbauung eines neuen Pfarrhofes in Kriegshaber.
Kaum waren ein paar Jahre seit der Aufstellung des eigenen Geistlichen
vorüber, so erkannte man nicht nur dessen Nothwendigkeit sondern
beantragte die Errichtung einer selbstständigen Pfarrei in
Kriegshaber. Dazu war aber vor Allem eine
entsprechende Pfarrwohnng nothwendig. Um leichter zum Ziele zu
kommen, beschloß man privatim ein Haus zu bauen, dasselbe dann
als Pfarrhof mit Genehmigung zu erwerben und die Kosten durch
Umlage vom Steuergulden 3 fl./ und freiwillige Beiträge zu
decken. Der Bräuer Jakob Beisele, Stiftungspfleger, gab den
Platz zum Pfarrhofbau und Pfarrgarten her im Werthe von c. 400 fl.
unter der Bedingung von weiteren Leistungen hiezu befreit zu sein. Am
8.Sept.1862, Mariä Geburtsfest, beriethen sich Vorsteher Steppich,
Dominikus Kusterer u. Joseph Rohrer, beide als
Verwaltungsmitglieder, mit dem Expositus über den Plan und
ließen ihn hernach durch Maurermeister Alois Schaller v.h.
ausarbeiten. Man mußte wegen Mangel an Mitteln möglichst
sparen, doch wollte man auch ein solides und zweckmäßig eingetheiltes Pfarrhaus herstellen, was auch gelang. Schon am 1ten October 1862 wurde mit dem Bau noch begonnen, und da der Spätherbst sehr schön war, konnte der Rohbau
noch vollendet werden. Den darauffolgenden Frühling und Sommer
machte man Alles fertig, und nachdem es gehörig ausgetrocknet war,
bezog am l7. Nov. 1863 der Expositus das neue Pfarrhaus. Der
ganze Pfarrhofbau kam nur auf 4000 fl. und erhielt die
Oberkuratelgenehmigung am 3ten Juni 1864.
V. Errichtung einer selbstständigen kath. Pfarrei u. erster Pfarrer in Kriegshaber.
Die Stellung des exponirten Geistlichen war ein Zwitterding u.
schwierig. Einerseits waren ihm gemäß Dienstes-Instr. v.
10.Sept.1859 u. Reg.Entschl. 3.0ctob.1859 viele Befugnisse
eingeräumt, anderseits aber war er wieder ganz und gar als
Hilfsgeistlicher dem Pfr. in Oberhausen untergeordnet, was
unvermeidlich zu Differenzen führen mußte. Und da die
Seelenzahl schon bei Errichtung der Expositur über 900 betrug und
stark zunahm, die Trauungen aber u. die Fronleichnamsprozession nur in
Oberhausen gehalten werden durften, und die Filialisten trotz
ihrer vermehrten Zahlungen zu kirchlichen Zwecken dahier auch noch
wiederholt zu Conkurrenz-beiträgen für die Cultusgebäude
in Oberhausen bedeutend angezogen wurden und Pfr. Völker
absichtlich von Jahr zu Jahr neue Reparaturen an Kirche u. Pfarrhof
in Oberhausen vornehmen ließ, so riß der Faden der Geduld
bei der hiesigen kathol. Kirchengemeinde u. bestrebte sie sich aus
allen Kräften, eine von Oberhausen getrennte, selbstständige
Pfarrei zu errichten. Expositus Dirr und Vorsteher Steppich
bearbeiteten die Sache bei der Gemeinde u. den Behörden so gut als
möglich und in 2 Jahren war man zum Ziele gelangt. Wesentliche
Dienste leisteten auch Rechtspraktikant Ludwig , Reg. Rath Leinfelder
u. Domkapitular Steichele. Nachdem durch einen jährlichen
Zuschuß von 350 fl. aus dem schwäb. Religionsfonde zum
Pfarrgehalte die größte Schwierigkeit beseitigt war, und die
Ansprüche der Pfarrgemeinde Oberhausen auf ein geringes Maß
reducirt waren, wurde von Sr. Majestät König Max II. dato d.
Rom 19.Nov.1863 die Errichtung einer neuen kathol.Pfarrei in
Kriegshaber genehmigt u. vom bischöfl.Ordinariat Augsburg am
18.März 1864 oberhirtlich bestätigt. Am Ostermontag,
den 28.März 1864 wurde dann durch H.Stadtdekan u. Archidiakonus J.
Dreer die fragl. Pfarrei-Errichtung kirchlich publicirt und
in einer ergreifenden Anrede vom Altare aus der Gemeinde ans Herz
gelegt, daß sie nun Alles aufbieten möge, um recht bald auch
eine neue Pfarrkirche zu bekommen. Nach dem Gottesdienste,wurde der
Expositus Dirr durch Dekret des bischöfl.Ordinariats als
Pfarrvikar aufgestellt und dann ein Mittagessen bei Bräuer Jac.
Beisele gehalten, an welchem auch die Gemeinde- u.
Kirchenverwaltung und c. 50 Bürger Theilnahmen. Auch Pfr.
Völker war bei der kirchl. Feier und dem Male anwesend.
Nachmittags 3 Uhr beehrten der Hochw. Bischof Pancratius, H.
Generalvikar Dr. Lor. Gralz u. Domcapitular Scheesler, im Pfarrhofe
absteigend die Gemeinde Kriegshaber mit einem Besuche und unterhielten
sich 1 Stunde lang im Pfarrhause über den bald zu hoffenden
Kirchenbau etc; in herablassendster Weise. Pfarrvikar Dirr gab auf den
Rath des b. Ordinariats um die neue Pfarrei ein und schon in 19 Tagen
den 17.April 1864, wurde ihm dieselbe durch den neuen König Ludwig
II, allerhöchst verliehen. Am 28. April ward der neue Pfarrer
kanonisch instituirt und am 5.Juni 1864 durch H. Dreer, St.Dekan
u.Bezirksamts-Assessor Pletzer feierlich installirt. Der 1. Pfarrer von
Kriegshaber war Joseph Dirr, geb.zu Fristinge den 22.December 1819,
- Söldnerssohn. -
VI. Erbauung einer neuen kathol. Pfarrkirche in Kriegshaber
Es war dieß ein überaus schwieriges Unternehmen wegen Mangel
an Mitteln , da der Staat keine Baupflicht hatte u. die Gemeinde
größtentheils aus unbemittelten Leuten bestand. Doch mit
Gottes Hilfe ging es besser als man glaubte. Mit dem Aktivrest
der Gottesackerrechnung sammelte man einen Baufond, der ca.1864
bei der Pfarrei-Errichtung schon c. 2000 fl. betrug. Jakob Beisele schenkte dann den Bauplatz zur neuen Kirche, u. Jakob Alberstetter,
Hucker, machte ein Legat von 2000 fl. Herr Prodekan Zwirg gab 525
fl. zur neuen Kirche /: und außerderdem noch 500 fl. zur
Kirchenstiftg :/, Melchior Kempter 100 fl. Sohr Lor. 200 fl. Haugg 100
fl. Diebold Huttner 100 fl. die beiden Schwestern Moi 700 fl. Fleiner
Huttner 1000 fl. Pfr. Dirr vorläufig 200 fl. und im Jubiläum vom 1-30 Nov. 1865
fielen von verschied. hiesigen Wohlthätern c.450 rl. an. Von einer
Dienstmagd Kr. Reiner = 25 fl. v , Steppich vorläufig 50 fl.
Bäckermeir 60 fl. Karl Obermair Jiwarlit = 100 fl. Lippschütz
in Wien 67 fl. Hörmann in Pfersee = 100 fl.
Lichtensteiner von Gersthofen 50 fl. Sebastian Heichele
v. Stadtbergen versprach die Kosten einer neuen Glocke zu c.15 Ztr zu
übernehmen. Daher konnte, als das Projekt von Baurath Stengl zu
52600 fl. nicht genehmigt werden, ein neues von Maurermeister Treu
zu 29000 fl. ohne innere Einrichtg. schon am 24. Juli 1866 von
Seite des beschöfl. Ordinariats u. der k. Reg. genehmigt u.
empfohlen an das Kultusministerium in Vorlage gebracht werden, nachdem
die Gemeinde c. 16000 fl. als bestimmt vorhanden u. 10000 fl. als
in Aussicht stehend, nachgewiesen hatte. - Am 20.August begab sich
Pfr.Dirr nach München, um beim
Kultusministerium die Kirchenbau-Angelegenht. zu betreiben.- Vorsteher
Schärtl v. 1863-66 war auch thätig u. willig in
Förderung des Kirchenbaues. Die am 18. Feb. 1866 bewilligte u. im
Juli desselb. Jahres beendigte Kirchenkollekte im Reg. Kr. Schwab. u.
N. zur Erbauung einer neuen kath.Pfarrkirche in Kriegshaber fiel
sehr gut aus, indem sie 3253 fl. 46 Kr abwarf. Namentlich betheiligte
sich hiebei das Bez. Amt Augsburg sehr vortheilhaft, welches nahezu
1000 fl. sammelte. Die Stiftungen Gennach u.Westereringen
gaben 300 fl. die Gemeinde Gersthofen 110 fl. Gablingen 55 fl.
Stadtbergen 55 fl. Deuringen 5 fl. Leitershofen 30 fl. Pfersee 42 fl.
Göggingen 44 fl. Oberhausen mit Neusäß 11 fl.
Täfertingen 16 fl etc.
Am 16.Sept. 1866 wurde vom
Kultusministerium das Kirchenbau-Projekt genehmigt und am 28.Sept.vom
Bezirksamt anher mitgetheilt. Die Kirche wird 120' lang, 50' breit, u.
40' hoch im Innern.
Am 15. Oktober 1866 wurde in
kon. S. Theresia eine Hl. Messe celebriert um den göttl. Segen und
Beistand zum Beginn des K.Baues zu erflehen und mit den Vorkehrungen,
Brunnengraben, Bauhüttenerrichten etc. begonnen. Am 20. Oktober
also am Kirchweihsamstage, /:ähnlich beim Pfarrhofbau :/
wurden die ersten Bausteine in den Grund gelegt, 2 Pfeiler des Chores
herausgemauert und der Bau eigentlich recht u. faktisch begonnen. 30
Mann arbeiteten am Grunde. Beim Abladen.der Backstein-Fuhren hat
sich besonders auch die Haushälterin des Pfr. Crescenz Graf
betheiligt u. bei dem öfteren Mangel an hinreichenden Abladern der
guten Sache ersprießliche Dienste erwiesen. Beim Beginn des Baues
waren schon 100.000 Backsteine u. 500 Fuhren Sand auf dem Bauplatze.
Am 31.0ktober wurde der Thurm angefangen, das Fundament mit Cement
ausgegossen u. aufgemauert. Die Grundmauern kamen 7 1/2 Fuß tief
in den ursprünglichen Boden u. wurde noch 7 Fuß
aufgefüllt so daß er c. 15' im Grunde steht. Die Mauern
wurden 6 Fuß dick. Am Seelensonntag, den 4.Nov.1866 machte
d. Hoch. Bischof Pancracius u. Generalvikar Dr. Gralz einen Besuch um
den begonnenen Bau zu besehen und sprachen sich sehr beifällig
darüber aus.
Am 21. Nov. wurde der Bau eingestellt, und wärend des Winters noch die nöthigen Steine beigeführt u. drgl.
Am 26. März 1867 wurde der
Bau wieder begonnen, war aber die Witterung noch 3 Wochen lang sehr
naßkalt. Erst am grünen Donnerstag 18.April trat bessere
u.schöne Witterung ein. Vom 5ten Mai an trat sehr schöne
Witterung ein, u. waren beim Bau ca. 50-60 Arbeiter täglich
beschäftigt. Am 18. Mai der Chor aufgerichtet. Am 27. Mai 1867
wurden v. Leonh.Niederwieser in Augsburg zwei neue Glocken für die
neue Kirche gegossen, die größere 14 Ztr. von Seb. Heichele
gestift., die kleinere = 9 Ztr. schwer. Von 10 1/2 Uhr Vormitt. bis 2
1/4 Uhr Nachts brannte der Ofen spällig fließig und
glühend zu machen, der Guß gelang sehr gut und
glücklich.
Am 3.4.u.5.Juni wurde die
Kirche aufgerichtet, zum Hebauf/Hebweihe wurde jedem Arbeiter sein
Taglohn am letzten Tage verdoppelt, i.e. circa 85 fl. an Bier, Brod,
Fleisch verzehrt. Am 28.Juni Vigil. Apost. Pet.et Pauli wurden v.
Hochw.Bischof Pancratius in seiner Hauskapelle die neuen 2
Glocken geweiht, Allioli assistirte.
Die Bilder der groß. Glocke sind: St.Sebast. St.Joseph St.Leonhard u. St. Udalucus.
Die der kleineren: St.Michael, Mariä Verk. Kruzifix u. St. Paulus.
Am 9ten Juli 1867 wurden die neuen 2 Glocken hieher gefahren auf einem
festlich bekränzten Wagen, die Große auf den Namen Sebastian
getauft, wiegt = 1396 , die kleinere, St.Michael getauft, wiegt = 889.
Die ganze Gemeinde bezeigte die größte Freude, Klein u.
Groß begleitete den Wagen, ein 4stimmiger Gesang u. kurze
Ansprache beschloß die Feier.-
Am 20. 22 u.23. Juli 1867 wurde der Dachstuhl des Kirchthurms
aufgerichtet u.am 24. Juli Abends nochmal ein Hebauf, Bier, Brod
u.Käs gegeben, das Bier, bei 7 Eimern, wurde von Augsburger
Bräuern geschenkt, machte aber die Köpfe so erhitzt,
daß Zimmerleute u. Maurer bald die größten Händel
bekommen hätten, Doch wurden sie wieder beschwichtigt. Am 3. August
wurde das Kreuz auf der Thurmspitze befestigt samt dem Knopfe, welcher
vergoldet c. 200 fl. kostete, fast 2 Fuß im Durchmesser hat u. 2
Metzen Getreid faßt. Das Kreuz ist 10 Fuß hoch. Im
Knopfe wurden in einem Glascylinder eingeschlossen:
- Eine Urkunde über die Geschichte Kriegshaber's bis zur
Gegenwart - nach diesen Notizen bearbeitet u. von der Kirchen- u.
Gem.Verwaltg. gesiegelt u. unterzeichnet.
- Ein Verzeichniß sämtlicher beim Kirchenbau beschäftigter Arbeiter - Maurer u. Zimmerl.
- Einige neueste 3 Kr. u. 1 Kr. Münzen v. 1866 u. 1867 unter Ludwig II. geprägt.
- Einige Zeitungsblätter der neuesten Nummern = 1 Postztg. 1 Christl.Woch.bltt u. Aug.Tagbtt.
Das aus Zinkblech bestehende Dach auf dem Thurm hat der hiesige
Kupferschmid Dom. Kusterer mit seinem Sohne Franz Conrad hinauf
gemacht. Am 9. Sept. wurden
die neuen 2 Glocken im neuen Thurme aufgehängt, das Geläute
fiel zur vollsten Zufriedenheit aus. Am anderen Tage wurde dann ein
Seelenamt mit libera für den Stifter der großen Glocke, Seb.
Heichele, abgehalten u. mit den neuen Glocken zum erstenmalzum
Gottesdienst geläutet. -
Am 30.Sept. wurde zur Anschaffung einer neuen Kirchenuhr bei der
hiesigen Christengemeinde 175 fl. freiwill. Beiträge gesammelt,
nachdem die Israeliten von, hier (:und in Augsb. wohnenden.) 125 fl.
freiwillig zu diesem Zwecke beitrugen.
Am 10. Dezbr. 1867 wurde der innere Ausbau wieder eingestellt, 10 Grad
Kälte, nachdem in letzterer Jahreszeit noch das Pflaster gelegt
und das Mauerwerk der Altäre hergestellt worden war. Am 20. Dezb.
1867 wurde die von Niederwieser Leonh. gegossene 3te Glocke 5 Zentner
u. 20 h schwer, geweiht an demselben Tage v. Bischof Pankratius in kon.
S. Mariae Annae, hiehergebracht und Tags darauf aufgehängt. An
dieser Glocke, welche mit den 2 großen sehr gut harmoniert u. den
schönten Akkord bildet, bezahlte die Gemeinde Neusäß c.
400 fl. sie kostete aber 537 fl. Sobald diese Glocke aufgehängt
war, holte man das größere Glöcklein aus der alten
Kirche und trug es in die neue Pfarrkirche, um sie als 4te im Thurme
aufzuhängen. Dieselbe stimmt aber mit den andern 3 nicht und wird
nur einzeln geläutet. Der Gottesdienst wurde den Winter über
noch in der alten Kirche gehalten, während man in der neuen zur
Freude der ganzen Gemeinde zum Gottesdienst läutete. Einen
herrlichen Eindruck u. Effekt machte das neue Geläute in der
hl.Christnacht. NB. Am 23. u. 24.März 1868 wurde der Thurm an
dem alten Kirchlein wegen drohender Gefahr des Einsturzes abgetragen.
Am 1. April 1868 schlug zum 1ten Male die neue Kirchenuhr im
großen Thurm von Drentwett in Augsburg um 430 fl. geliefert, nach
Manhart-Construktion.
Am Hl. Pfingstfeste den 31.Mai 1868 wurde die neue Pfarrkirche von
Pfarrer Dirr mit Erlaubniß des Hochw. bischöf. Ordin. v. 27.
Mai in titulum mysterii SS. Trinitatis benedizirt und darnach in
feierlicher Weise das Allerheiligste aus der alten Kirche in den
Tabernakel der neuen übersetzt unter Begleitung einer großen
Menge Volkes und Verwendung des neuen von H. Dommeßner Ruf
verfertigten schönen Traghimmels.
Der erste feierliche Gottesdienst
wurde dann unmittelbar nach diesem Einzuge vom Ortspfarrer mit
Predigt u. Hochamt abgehalten u. der Wohlthäter des neuen
Gotteshauses dankend gedacht. Ähnlich am Pfingstmontage. -
Am Feste der allerheil. Dreifaltigkeit, den 7. Juni 1868, wurde das erste Titularfest in der neuen Kirche feierlich begangen. Weil die alte Kirche als Kapelle noch stehen bleiben sollte, so wählte man für die neue Pfarrkirche ein neues Patrocinium,
Titularfest, und zwar d. Dreifaltigkeitsfest aus dem Grunde, weil es
stets auf einen Sonntag fällt, u. auch jene Ortsbewohner, die an
den Festen während der Woche gewöhnlich arbeiten
müßen (in den Fabriken etc.) das neue Titularfest mitfeiern
können. Die neue goth. Kanzel wurde von Schreiner Ebner in
Augsburg gefertigt, und von H. Rist vergoldet u. gefaßt. - am 28.
u. 29.Mai 1868 wurde dieselbe aufgestellt - kostete c. 500 fl. Das
Freskogemälde "Mariä Krönung" hat H. Job. Fröschle
v. Augsburg gemacht, u. die Plafon- u. Wandekoration besorgte H.
Dölscher, Maler v. Augsburg, mit dem Fresko kostete AlIes 300 fI.
Am 20.Juni wurde das Gerüst nach Vollendung der Malerei
hinweggethan und ward es erst einmal ruhig u. hell in der Kirche, indem
auch die Maurer u. andere Arbeiter fertig waren.
Im Sommer 1868 wurden die Betstühle von den hiesigen 3 Schreiner
(Bentele) Leitenmair, Ant. Birkhofer u. Jos. Schmid gefertigt, die
Chorstühle machte Birkhofer, Maler Ruf, ölte u. strich sie
an. Sämtliche Stühle beliefen sich auf c. 900 fl.
Im Frühling 1870 wurden 2 gothische Beichtstühle von Ebner
gemacbt und am 29. April 1870 aufgestellt, sie kosteten 250 fl. u. sind
von Privatier Baugg in Augsb. bezahlt worden.- Der neue gothische
Choraltar wurde von Frau Schwanda, Buchbinder Witwe v.
h. gestiftet u. die Akkord. Summe von 2203 fl. bar von ihr
ausbezahlt. Er kam aber mit den 2 nachträglich angeschafft.
Apostelfiguren auf c. 2400 fl. zu stehen. Die Aufstellung des Altares
geschah vom 16-20 August 1870, u. wurde eifrigst betrieben wegen
der am 21.August d. Js. abgehalt. Primizfeier des H. Jos. Madlener.
Die Schreinerarbeit von Karl Ebner in Augsb. das Altarbild v. H.
Hundertpfund u. die Vergoldg. von H. Rist daselbst verdienen Anerkenng.
u. Dank. Die Figuren besorgte H. Riedmiller in München zur vollen
Zufriedenheit.
Am 21. August, 1870 wurde
dahier die erste Primizfeier abgehalten. Von allen Seiten strömten
die Leute herbei und war eine Menge von c. 2000 Menschen in und um die
neue Pfarrkirche versammelt. 10 Geistliche sind anwesend gewesen ,
Hr.Primiziant Joseph Madlener, Schuhmachermeisterssohn von hier,
studierte schon 3 Jahre
vorher das jus und erst dann die Theologie, erhielt als ersten Posten
die 4te Stadtkaplanei in Kempten u. begab sich am 5.0ctober an s.
Bestimmungsplatz. -
Die am 18. Sept. 1871 vom Kultusminister bewilligte Landeskollekte in
den 7 diesrheinischen Reg. Kreisen zum Ausbau der hiesigen Pfarrkirche
fiel wider Erwarten gut aus und erzielte ein Resultat von
nahezu 6000 fl. (:zb. München Freising = 1900 fl, Schwab. u. Neub.
1400 fl. obschon bereits 1866 schon 3253 fl. geflossen sind:) Dieses
höchst erfreuliche, von Gott sichtbar gesegnete
Kollekte-Erträgniß wurde sofort zur Tilgung der Bauschuld
verwendet und konnte nun mit den noch vorhandenen Privatpapiergeldern
des Baufondes zur Beschaffung der neuen Seitenaltären geschritten
werden.
Bereits am 2. Febr.1872 wurde mit Schreiner Ebner der Akkord
abgeschlossen, welcher gerade so hoch zu stehen kam, i.e. 2300 fl. wie
der Hochaltar und von den nämlichen 3 Künstlern die den
Choraltar machten, ausgeführt wurde. Nur die Figuren wurden von
e. Anderen Bildhauer, nämlich von H. Mutter in München gefertigt. Anfangs Oktober 1872
wurden die beiden Nebenaltären aufgestellt zur großen Freude
des Volkes. Die Figuren des Altares auf der Epistelseite sind: der hl.
Aloisius, der hl. Kirchenlehrer u. Bischof St. Augustin und der hl. Abt
Leonhard. Das Bild des hl. Joseph oder hl. Familie
wurde gewählt wegen der vielen hiesigen Arbeitsleute, die Trias
auf Erden entsprechend der Trinität im Himmel, auf dem Hochaltar St. Augustin
wegen seiner Beziehung u. tiefen Erfassung des Geheimnisses der hl.
Dreifaltigkeit u. der Menschwerdung Christi. Der hl. Josephsaltar
gefällt besonders. Der andere Nebenaltar auf der Evangelienseite
auch Marienaltar genannt, stellt das Geheimniß der Heimsuchung
Mariä bei ihrer Base Elisabet vor, und wurde deshalb
gewählt, weil im alten Kirchlein dasselbe Patrocinium ist. Sollte
später die alte Kapelle abgebrochen werden, so ist nun für
eine fortdauernde Erinnerung daran gefragt und dieses freudenvolle
Geheimnis als ein Nebenpatrozinium in der neuen Ffarrkirche immerdar
begangen worden. -
Die Figuren sind: Joachim u. Anna, die obere St. Xaverius.
Die neue Orgel der Pfarrkirche bestehend aus 12 Registern u. 1 Copellregister wurde von Orgelbauer Jos. Froschaus
München um die Summe von 1400 fl. gefertigt und vom 21. Nov. 1872
bis 11. Dezb. 1872 von ihm u. s. Gehilfen aufgestellt. Am 12.
Dezb.wurde die Orgelprobe vorgenommen und fiel zur allgem. Freude u.
Befriedigung
aus. Hr. Kapellmeister Kamerlander am Dom in Augsburg nahm die
Prüfung vor in Gegenwart der benachbarten Lehrer u.
Sachverständigen. Die alte Orgel wurde um 50 fl. nach Hendungen
in Unterfranken verkauft u. der Erlös zur Bestreitung der
Baukosten der neuen Orgel, wovon die Hälfe = 700 fl. am Tage der
Aufstellung aus Mitteln der Gemeinde u. freiwill. Gaben bezahlt wurden,
verwendet.
Am 23.April 1873 verließ Pfarrer J.Dirr Kriegshaber u. bezog die
ihm am 5. Febr. v. S. Maj. verliehene, leichter zu versehende Pfarre
Steinekirch, da die Pfarrei Kriegshaber mit 1600 Seelen für ihn
allein zu beschwerlich war u. ein Hilfspriester noch nicht aufgestellt
werden konnte.
Die Gründe mögen sein welche immer, Thatsache ist, daß
nach Umfluß von 14 Jahren die Farben an den Innenwänden der
Kirche wie am Plafond vollständig "verstickt" waren, was dem
Gotteshause ein so schmutziges Aussehen gab, daß eine
Neutünchung schreiendes Bedürfnis war. Der 3. Pfarrer Alois
Kinzel setzte sich denn diesbezüglich ins Benehmen mit dem Erbauer
der Kirche, Herrn Treu in Augsburg, der obige Ansicht vollauf teilte u.
auch sofort für den Fall der Inangriffnahme der
RenovierungsArbeiten einen Beitrag von 200 M. zu leisten
versprach.
Dieser letztere Umstand weckte neue Gedanken: in der frisch
getünchten Kirche hat der alte Kreuzweg, der nach keiner Seite hin
von Wert war, nimmer Platz. Der muß durch einen neuen der Bauart
der Kirche angepaßten ersetzt werden. Der Gedanke nahm Fleisch
und Blut an, der Pfarrer Kinzel schnallte den Bettelsack um und am 12.
Juni - Patrozinium der Kirche - 1881 - eintausendachthunderteinundachtzig
nachmittags 2 Uhr weihte der hochwürdige Herr P. Luocas, Superior
bei St. Sebastian, den neuen prachtvollen in der Mags'schen
Kunstanstalt in München um 2000 M gefertigten Kreuzweg ein. Die
Kirche hat wohl seit ihrem Einweihungstage nie mehr soviele Leute
gesehen, als an diesem Tage, da in allen Gängen bis zu den
Altären vor Kopf an Kopf zu sehen war.
Die feier ward möglichst festlich vollzogen. Vormittags predigte
H. Benefiziat Hauser v. Augsburg und nach der Predigt hielt H.P.
Mathias v. St.Sebastian das Amt, bei welchem H. Hauser u. der
Ortspfarrer Kinzel levitirten. Nachmittags 2 Uhr begann die
Einweihungfeier mit einer Predigt des H. P. Luocas. 14
weißgekleidete Mädchen hielten, um den Hochaltar gruppiert,
die Stationskreuzchen u. trugen die benedizirten an den Ort der
treffenden Station. H.Pfarrer Heinzelmann v.Stadtbergen betete die
14 Kreuzwegstationen vor, H. Pfarrer Eberle von Steppach wirkte
auf dem Chore mit, außerdem wohnten der Feier an Hr. Pfr. Fuchs
v. Ottmarshausen u. H. Kaplan v. Oberhausen.
Was die Feier wesentlich erhöhte, war die vorzügliche
Kirchenmusik. Seit 1. Januar 1881 übernahm die Leitung des Chores
Lehrer Haeußler mit einem lobenswerten Eifer, der genügend
illustrirt ward anläßlich dieser Feier, denn Haeußler
führte allein mit hiesigen Leuten, ein Stabat mater von Witt,
ein veni creator v. Witt u. das 8 stimmige Te Deum v. Vraim in
würdigster Weise auf.
Die Kosten für die Renov. Arbeiten incl. d. Stationen ad 3000 M.
wurden durch freiwillige Beiträge der Parochianen bestritten,
deren Reihe der erste Ortspfarrer H. Jos. Dirr in nobelster Weise
eröffnete. Auch H. Pfarrer Baum leistete einen namhaften Beitrag.
Stiftungspfleger Steppich allein unterstützte das Werk mit keinem
Pfennige - -"weil die Sache nicht so pressiert hätte"!! (Letztere
Bemerkung hätte unterbleiben dürfen in Rücksicht darauf
was Steppich that beim Gottesacker=, Pfarrhof=, Kirchenbau etc.:) Bin
auch dieser Ansicht (Marxer Pfr.)
Am Kirchweihfeste 1889 wurde zur dankbaren Erinnerung an die Errichtung
der Pfarrei das 25 jährige Jubiläum in einfacher, aber
erhebender Weise gefeiert. Am Nachmittage hielt der erste Pfarrer
dahier, H. Joseph Dirr die Hauptfestpredigt. Leider wurde unter Herrn
Pfarrer Wißmüller die alte Pfarrkirche abgebrochen. Die
zweite Primiz in hiesiger Pfarrkirche war die des Hochw. Herrn Joseph
König am 23.August 1891.
Unterm 24. April 1890 wurde Fr. Xav. Marxer zum Pfarrer von Kriegshaber
ernannt zog am l3. Juni hier auf u. wurde am 15. Juni 1890 von Hochw.
H. Prodekan Roman Heinzelmann von Stadtbergen feierlich installiert.
Als weltlicher Commissar fungirte Herr Assessor Hausladen vom kgl.
B. A. Augsburg.
Da der Tabernakel des Hochalters den kirchlichen Vorschriften in gar
keiner Weise entsprach, so ging der neuernannte Pfarrer gleich mit dem
Gedanken um, einen neuen Tabernakel aufstellen zu lassen u. es gelang
auch. Auf das hl. Weihnachtsfest 1892 wurde der neue Tabernakel von
Kunstschreiner Saumweber aufgestellt. Derselbe kostete mit
vollständiger Einrichtung beinahe 1100 M u. ist von dem
Kunstschreiner Saumweber, vom Maler Mayr vom Bildhauer Fahrenberger
u.vom Goldarbeiter Hötzel sämtliche Herren von Günzburg
ausgeführt u.entspricht genau den kirchlichen Vorschriften.
Auch die Erweiterung des Gottesackers war schon längst ein
Bedürfnis u. wurde daher im Jahre 1893 von Bäckermeister
Johann Mayer der nötige Platz von 96 Dezimalen um 3000 Mark
erworben, 500 M wurden gleich beim Protocoll ausbezahlt u. 2500 M
bleiben zu 4 % bei Mayer stehen. Nach dem Tode der Mayerschen
Eheleute ist aber das Kapital von 2500 M geschenkt (der
kath. Cultusgemeinde). Im Jahre 1894 wurde der Gottesacker erweitert u.
neu eingeteilt. Herr Franz Kusterer in Augsburg schenkte gegen Stiftung
eines Jahrtages für seine Eltern Dominikus u. Antonia
Kusterer u. deren Verwandtschaft den herrlichen aus Kupfer getriebenen
Christus samt Kreuz, welcher Christus auf der Weltausstellung in
Chicago in Amerika war. Dieser Christus wurde am 14. Juni 1894 auf
schön geschmücktem, mit 4 Pferden bespannten Wagen von
Herrn Joseph Steppich von Augsburg hieher verbracht u. sogleich auch
auf dem Gottesacker aufgestellt.
Am Sonntag den 1. Juli 1894 Nachm. 2 Uhr wurde der neue Gottesacker
u. das neue Kreuz vom I. Pfarrer der hiesigen Pfarrei nunmehrigen Hochw.
Herrn Kammerer Joseph Dirr von Steinekirch feierlich eingeweiht. Die
Festpredigt hielt geistl. Rath Hauser von Augsburg, welcher
nachwies, daß der Glaube an Gottesacker u. Gottesackerkreuz drei
große Kluften ausfüllen könne, nemlich die Kluft
zwischen Reich u. Arm, zwischen Regierung u. Untertanen zwischen
Arbeitgebern u. Arbeitnehmern.
An diesem Festakte nahmen noch 6 Geistliche die Gemeinde- u.
Kirchenverwaltungsmitglieder von hier u. Neusäß u. eine
Menge Volkes Theil. Für die Geistlichkeiten u.die Mitglieder der
Gemeinde- u. Kirchenverwaltungen fand bei Steppich Joseph, Gastwirt,
ein kleines Mahl statt. Der Gottesacker ist Eigentum der
kath.Cultusgemeinde.
Im Jahre 1898 wurde die Orgel repariert u. drei neue Register
Solicional,Gamba u. Violabaß eingesetzt durch Orgelbauer
Mühlbauer in Augsburg um den Preis von 729 M.
Die neuen Apostel in der Pfarrkirche wurden in den Jahren 1896-98 durch freiwillige Beträge um 3600 M geschaffen.
Die Gemeinde Neusäß brachte die Mittel für einen
Apostel auf, ebenso die drei Familien Steppich dahie. zusammen einen,
Privatiere Böck Maria einen, Eisele Johann einen, Pfarrer Dirr u.
Marxer je einen, Frl. Rager einen.
Der Kirchtum als Eigentum der Kirchenstiftung wurde im Jahre 1899 repariert u. kostete 629 M.
Im Jahre 1899 wurde der von der ehemaligen Pfarrkirche eingenommene
Platz eingezäunt, der noch übrige Rest der ehemaligen
Pfarrkirche frisch hergerichtet u. wurden hiezu ungefähr 300 M
verwendet.
G. Neusäß wurde im Jahre 1900 im Oktober in die Pfarrei
Kriegshaber eingepfarrt unter der Bedingung, jährlich zur
Kirchenstiftungskasse Kriegshaber 140 M aus der
Filialkirchenstiftungskasse Neusäß als Pflichtbeitrag zu
leisten u. eine einmalige Summe von 2000 M an den Baufond
Kriegshaber vom Stiftungsvermögen der Kapelle Neusäß zu
leisten, welche Bedingungen befolgt wurden. Kaplanei errichtet 1900. Im
Jahre 1903/4 wurde auf dem hiesigen Friedhofe ein Leichenhaus gebaut u.
betrugen die Kosten ungefähr 12000 M. Der Leichenwagen von Herrn
Karl Ostertag, Schmiedmeister dahier, verfertigt kostete 1000 M. Das
Leichenhaus wurde am 26. Juni 1904 nachm. 2 1/2 Uhr von Pfarrer Marxer
in Anwesenheit der Gemeinde- u. Kirchenverwaltung von Kriegshaber u.
Neusäß eingeweiht. Die Gemeinde Kriegshaber gab zum
Leichenhausbau 5000 M u. die Gemeinde Neusäß 1000 M. Die
übrigen 7000M wurden von der bayr. Hypothekenbank in
München als Annuitätenkapital auf 52 1/2 Jahren
aufgenommen. Die erste Leiche, welche im neuen Leichensaale
aufgebahrt wurde war die des pens. Eisenbahnnachtwächters Joseph
Bühler v. Augsburg hier wohnhaft HsNr. 122 Hinterhäuschen.
Im Jahre 1906 wurde die Pfarrkirche durch den Maler Herr Joseph Becher,
hier, restauriert. Das Deckengemälde ist von dem Maler Degenhart
hergestellt.
Am 14. Nov.1910 verließ H.Pfarrer Marxer nach
zwanzigjähriger eifriger u. ersprießlicher Tätigkeit
Kriegshaber, um die ihm übertragene Pfarrei Nassenbeuren
anzutreten. Bereits am 14. Dez. 1910 wurde die erledigte Pfarrei
Kriegshaber vom Hochwürdigsten
Herrn Bischof Maximilian v.Lingg dem bisherigen Pfarrer von Amendingen
b. Memmingen Ludwig Strasser übertragen, der dieselbe antrat
am 24. Januar 1911. Am 19.Febr.1911 wurde Pfarrer Strasser von Hochw.
H. Dekan Eberhard Spickermann in Haunstetten unter Anteilnahme der
ganzen Pfarrgemeinde feierlich installiert. Als weltlicher
Komissär fungierte Herr Regierungsrat u. kgl. Bezirksamtsmann Dr.
Hainz. Als erste größere u. zugleich schwierigere Aufgabe
hatte der neue Pfarrer die Erbauung eines neuen Pfarrhauses zu
übernehmen. Nach Überwindung einer Reihe von Schwierigkeiten
u. mit Hilfe der weltlichen Behörden u. auch des Hochw.
Bischöflichen Ordinariates Augsburg konnte im Herbst 1913 der alte
Pfarrhof, der sich im Lauf der Jahre u. insbesondere durch die
Errichtung einer Kaplanei als viel zu klein erwies, abgebrochen werden.
An seiner Stelle wurde ein staatlicher Neubau der eine Zierde für
den ganzen Ort Kriegshaber ist, aufgeführt. [In der Quelle steht
tatsächlich staatlich, obwohl der Pfarrhof auch stattlich ist, der
Pfarrer wollte wohl ausdrücken, dass der Pfarrhof vom Staat
bezahlt wurde.] Die Planfertigung und
Bauleitung lag in den Händen des Bezirksbaumeisters Clemens
Gaugenrieder in Augsburg. Der Pfarrhofneubau war vollendet am 31.Juli
1914. Da brach der furchtbare völkermordende Weltkrieg aus u. neue
schwere Sorgen taten sich besonders für den Pfarrherrn auf. Er
kannte bereits als Vorstand einer weitverzweigten Armenpflege die
Notlage seiner Pfarrgemeinde, der Krieg aber brachte neue Nöte.
Bereits in der ersten Woche, die auf die Kriegserklärung folgte,
organisierte er eine Kriegsfürsorge, es wurden Mittel gesammelt
für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer, von allen
Seiten her flossen die Gaben u. so konnte manche Not gelindert u.
manche Träne gestillt werden, außerdem gründete Pfarrer
Strasser auch eine Kinderbewahranstalt, welche ganz besonders die
Kinder von Kriegsteilnehmern aufnahm u. sich gar bald als eine
sehr segensreiche Einrichtung erwies.
Große Trauer riefen in der Gemeinde hervor die vielen Opfer an
Menschenleben, die der Krieg forderte. Auf allen
Kriegsschauplätzen kämpften die Söhne unserer Gemeinde
mit Mut u. Ausdauer, leider aber blieben nahezu 160 auf dem Felde der
Ehre. r. i. p.
Mitten in den Krieg fiel die Einverleibung der Gemeinde Kriegshaber in
die Stadt Augsburg am 1. April 1916. Es war ein ergreifender
Augenblick, als Kriegshabers langjähriger Bürgermeister
Joseph Schärt1 (+ am 27.1.1917) die ferneren Geschicke der
Gemeinde in die Hände des damaligen Vertreters der Stadt
Augsburg des Herrn Oberbürgermeisters v. Wolfram legte. Mit der
Eingemeindung der politischen Gemeinde Kriegshaber nach Augsburg haben
sich auch in kirchlicher Beziehung eine Reihe von Veränderungen
ergeben. Vor Allem wurde die bisherige Pfarrei Kriegshaber vom
Landkapitel Augsburg losgelöst u. als Stadtpfarrei zur hlst.
Dreifaltigkeit in das Stadtdekanat Augsburg aufgenommen, ebenso wurde
die neue Stadtpfarrei aufgenommen in den Verband
der kath. Gesamtkirchengemeinde Augsburg. Der Pfarrer von
Kriegshaber erhielt nun den Titel Stadtpfarrer von der Stadtpfarrkirche
z. hlst. Dreifaltigkeit. Der Kaplan hieß von jetzt an
Stadtkaplan.
Im nämlichen Jahre erhielt die Pfarrkirche die elektrische Beleuchtung
Inzwischen tobte der Krieg weiter, im Jahre 1917 folgte der unselige
Erlaß von der Beschlagnahme der Glocken, auch die hiesigen
Glocken mußten, obwohl sich Stadtpfarrer Strasser alle Mühe
gab, sie zu erhalten (er wurde sogar beim Kriegsministerium
vorstellig), unter Androhung der Zwangsenteignung abgeliefert
werden zum größten Schmerz der ganzen Pfarrgemeinde.
Am 28. Febr.1918 wurden die beiden größeren abmontiert,
anfangs Okt. 1918 die kleinere, eine in der früheren alten Kirche
hängende, die nach deren Abbruch in die neue Kirche verbracht
wurde, verblieb als Läutglocke, die aber schon um das Unglück
voll zu machen nach kurzer Zeit zersprang, so daß eine
fremde Glocke entlehnt werden mußte. Die im Nov. 1918
ausgebrochene Revolution blieb wie an anderen Orten so auch in
Kriegshaber nicht ohne Wirkung, was sich besonders in der Schule u. bei
den folgenden Wahlkämpfen zeigte, nun nach u. nach
glätteten sich die Wogen u. die Leute kamen wieder allmählich
zur Besinnung.
Im Jahre 1920 vom schmerzhaften Freitag (27.III.) bis Ostermontag (5.
April) wurde unter eifriger Beteiligung der hiesigen kath.
Bevölkerung die erste Mission seit Bestehen der Pfarrei gehalten
v. H.H. Patres Kapuziner (siehe Gedenktafel in der Pfarrkirche).
Im Jahre 1921 konnte bereits wieder ein neues Geläute mit 3
Glocken beschafft werden. Die Glocken im Ganzen 21 Ztr.schwer, wurden
v. H.H.Weihbischof Karl Reth, geweiht u. am Pfingstsamstag 1921 zum
erstenmal geläutet. Das Geläute wurde von H.H.
Domkapellmeister Reiser geprüft u. demselben ein glänzendes
Zeugnis ausgestellt. -
Im nämlichen Jahre wurde auch das
25jähr. Priesterjubiläum des Stadtpfarrers Strasser in
großartiger Weise gefeiert. Eine Gemeinde, die so ihre Priester
ehrt wie es damals zum Ausdruck kam ehrt sich selbst. Da die
Pfarrgemeinde sich seit Jahren immer mehr ausdehnte u. namentlich
immer mehr Schulklassen errichtet werden mußten setzte
Stadtpfarrer Strasser beim Landtag die Errichtung einer zweiten
Stadt-Kaplanei durch (Genehmigt durch Landtagsbeschl. v. 14. Aug.
1921).
Dieselbe wurde am 7. April 1922 zum erstenmal besetzt, ein weiterer
Fortschritt in der Entwicklung des Kirchenwesens in
Augsburg-Kriegshaber. Im Laufe der Jahre entwickelte sich hier auch ein
recht blühendes Vereinsleben zum Segen der g. Gemeinde u.
besonders der Jugend. Auch mehrere caritative Vereine wurden
gegründet, so der Elisabethenverein, eine Vinzenzkonferenz u. ein
Caritasausschuß, die alle segensreich wirken. Zur Verteidigung
der christl. Schule wurde eine kath. Elternvereinigung ins Leben
gerufen.
Quelle: Pfarrarchiv Hlst. Dreifaltigkeit Augsburg-Kriegshaber, Ordner 102
Änderungsstand: 24-Apr-2010 02:50
Heinz Wember