Augsburg - Kriegshaber


A) Kriegshaber in früherer Zeit
Splitter aus seiner Geschichte
I. Lage von Altkriegshaber
Die schmale Ausbuchtung der Wertach-Hochterasse veranlaßte schon den prähistorischen Menschen sich hier "auf dem Berg" sesshaft zu machen.
16 Hügelgräber am südlichen Ortsrand zwischen der Stadtberger- und Hummelstraße - Münzfunde aus der Römerzeit "auf dem Berg" (Bergstraße) und in der dahinter liegenden Kiesgrube - auf dem Kobelweg hinter Kriegshaber große römischen Töpferei.
II. Woher Kriegshaber seinen Namen haben soll
Siehe hierüber: "Augsburg-Kriegshaber", Kulturhistorische Beiträge zur Ortsgeschichte von Dr. Luis Dürrwanger. 1 Teil verlegt bei Heinrich Heber, Augsburg 1937.

Wandlung der Schreibweise:
Chrechesavar um das jahr 1000, Chrehisaverch Chrekesaveron, Kriegshabern 1428, Grueßhaber 1488, Kriegshaabern, Kruegshafer 1537, Griechshaber, Kriegshaber 1550

III. Wie sich Kriegshaber aus zwei Bauernhäusern entwickelte
Der Weyller (Weiler) Kriechshafern ist zu Anfang des 14. Jahrhunderts mit zwei Höfen beurkundet und gehörte den Bischöfen von Augsburg
1. der Mittelpawr = Mittlerer Bauer, heute Bergstr. 3, Inhaber Xaver Steppich
2. der Mayerhof, später (1622) Taffernwirt mit dem Zehentstadel = heutiger Marstallerhof von Jakob Steppich, Kriegshaberstr. 4
1622 zählte der Weyller Kriegshaber 14 Feuerstätten zur Markgrafschaft Burgau gehörig, "hat auch ein Wirt und Püir Prew und drei Bauernhöf."
Alte Bauernnamen: Vögelin, Urban Ayer, Dietmayr, Schott, Schepf, Gleich, Buecher, Reiter, Diebold, Suess, Steeb, Steidle.
Als 1. Besitzer des Mittelbauernhofes ist Heinrich Hangenohr, vom Marstallerhof Luitpold Wohlfahrt beurkundet.
IV: An das mittelalterliche Kriegshaber erinnern:
die heutigen Straßennamen:
Markgrafen-, Vohenburger-, Fronsberg-, Roggenburger-, Rockenstein-, Schwabecker- und Ramsbergstraße.
Damals gehörte Kriegshaber teilweise zur österreichischen Markgrafschaft Burgau. Österreich hatte hier ein Gerichtsvogteiamt, durch welches bedeutende Zölle erhoben wurden (Hochzoll)
ehemaliges Zollhaus (mit österreichischen Wappen an der Decke) Ulmerstr. 182, Vogteistadel: Ulmerstr. 180
Vohenburger (950-1162) Fronsberg ... waren die Namen jener Markgrafen.
Die 1723 gemalte Landkarte der Marktgrafschaft Burgau (Nat. Museum München) zeigt deutlich den zwischen der Dorfschmiede und dem "Berg" stehenden Schlagbaum, der die Gassengerichtsgrenze zwischen den bischöflichen und burgauischen Untertanen angab.
V. "gen Kriechshaber wartz gehenckt"
Im ehemaligen Galgental (Flurname von Kriegshaber), wo heute sich "Neukriegshaber" (Reinöhlstr. u.a.) ausdehnt, stand früher der Galgen und wurde das Hochgericht von Augsburg vollzogen.
VI. Aus dem Bauerndorf wurde der Judenort Kriegshaber
mit einer Synagoge an der ehemaligen Hauptstraße (heute Ulmerstr. 228) gegenüber dem Pfarrhof.
1627 wurde der Israelitische Friedhof auf der "Unebene" (heute großer Exerzierplatz [Wohnsiedlung der Amerikaner, nach Abzug der Amerikaner privatisiert, Hooverstr, etc.]  errichtet. Er gehörte damals den Augsburger Israeliten.
Im Juli 1438 sollten die Juden, wie aus Wien, Köln und Speyer, binnen 2 Jahren auch aus Augsburg ganz vertrieben werden.  Von den 300 Juden befand sich im Steuerbuch von 1439 kein einziger jüdischer Stadtbewohner mehr. Die Synagyoge von Kriegshaber ist 1570 - zunächst als "Judenhaus" - errichtet worden und diente gleichzeitig als "Judenschule". 1850 zählte Kriegshaber ungefähr 300 Juden, meist Händler von Vieh, Wein, Stoffen und Möbeln, die dem damaligen ärmlichen Dorfe Kriegshaber erst zu seinem Aufstieg verhalfen. (Beim Bau der katholichen Pfarrkirche gaben sie reichliche Spenden, die Turmuhr wurde von den Israeliten Kriegshabers allein bezahlt)! Ihre Häuser am Berg und an der Hauptstraße waren selten alleinstehend, meist zusammengebaut, wurden stockwerkweise verkauft, die Stiegenaufgänge in die oberen Stockwerke deshalb außen an den Mauern verlegt. Jüdischen Anwesenbesitzer waren in Kriegshaber: Dick, Mändle, Einstein, Regensburger, Hummel, Burger, Strauß u.a. Auf dem jüdischen Friedhof findet man heute noch Gräber jener Familien.
Während des Hitlerregimes emigrierten etliche Juden nach USA, nach London, Tel Aiv und Südafrika, der Großteil aber starb der Religion [bzw. Rasse] wegen in den KZ den Gastod.
VII. Viel Waffenlärm um Kriegshaber
Der Schülchenhannes kommt! Kriegshaber brennt! 1378
Siehe Dürrwanger:"Augsburg-Kriegshaber" S. 31
Mittelalterliche Fehden.
VIII. Schöne Zeiten des alten Kriegshabers im Zeitalter der Reformation
Lies Dürrwanger: "Augsburg-Kriegshaber" S. 35
Prunkvolle Aufzüge
IX. Der ehemalige Große Exerzierplatz
früher "Unebene" oder "Viehweidt" genannt, eine Fläche von 60 Tagwerk =  1 1/4 qkm, zwischen der heutigen Ulmer Str. und Reinöhlstr., Pfersee, Langemarckstr. und Stadtbergen wurde im Jahre 1871 vom Staat um den Preis von 17062 fl. = 2950 M [hier liegt sicher ein Tippfehler vor, es muss wohl 29500 M heißen] erworben.
Hier exerzierte das Augsburger Militär, am Kugelhaus machte es Schießübungen, hielt Wache an der Geschützremise, hier sah man militärische Paraden, Pferderennen mit Pokal Preisverteilung! Im 1. Weltkrieg waren in den Remisen Gefangene, meist Franzosen untergebracht. auf dem Großen Exerzierplatz  hatten neben den Augsburgern die Dörfer Kriegshaber, Oberhausen, Stadtbergen Weiderecht.
Die "Unebene" war eine unwirtliche Gegend, über die wild der Ostwind, der "Bayerwind" in das Dorf Kriegshaber brauste. Eine Randstraße, die ganz besonders diesem Wind ausgesetzt war, wurde deshalb Rußlandstr. ("Im Rußland" - heute Vohenburgerstr.) benannt.
Hitler ließ 1931/35 auf dem Großen Exerzierplatz die Somme-, die Panzer- und die Arraskaserne mit Verpflegungsämtern erbauen. Nach dem 2. Weltkrieg bezogen die amerikanischen Soldaten diese Kasernen [und hießen Reese- und Sheridan-Kaserne, außerdem die Flack-Kaserne an der Neusässer Straße].

Da das Städt. Hauptkrankenhaus im Krieg schweren Bombenschaden erlitt, wurde die Arraskaserne als Ausweichkrankenhaus eingerichtet und ist mit 600 Betten das heutige Westkankenhaus der Stadt an der Langemarckstr. von Kriegshaber  [nach Eröffnung des Zentralklinikums 1982 wurde das Westkrankenhaus als Krankenhaus stillgelegt und dient heute teilweise als Kurzzeitpflegeheim].

Nach Kriegsschluss siedelten sich Flüchtlinge aus der Gegend von Prag mit ihren Familien in Holzhäusern auf dem Großen Exerzierplatz in der Nähe des Isrealitischen Friedhofes an und wandelten den Heideboden mit viel Geschick Mühe und gärtnerischen Talent in fruchtbares Gartenland um.

Seit Juni ds. J. [vermutlich 1951] baut der Staat Wohnhäuser - 280 Wohnungen für "Kasernenverdrängte" an den Westrand des Großen Exerzierplatzes. Auch die "Kugelfänge" sollen abgetragen werden, wo einst in den Herbstmonaten die Jungen von Kriegshaber mit viel Jubel ihre Drachen steigen ließen und wo sich im Winter die Jugend mit ihren Schlitten und Skiern vergnügte.

X. "Das Herrschaftsgut" in Kriegshaber,
heute [ca. 1951] bäuerlicher Besitz der Witwe Maria Steppich Ramsbergstr./Langemarckstr.. Seine Entstehung fällt in die Biedermeierzeit. 1823 wurde es von dem reichen Bankier Jakob Schmid im Stile der franz. Mansardenbauten errichtet: ein 2-stöckiges Herrenhaus  [Franzosenhof] mit Stallungen, Wagenremise und Gesindehaus; vor dem Gut (am Rande des ehemaligen Großen Exerzierplatzes) ein 5 Tagwerk großes Gelände, um einen Weiher ein herrlicher Park in franz. Stil, schnurgerade Rabatten, formgerecht gestutzte Hecken, Pyramiden, Edelspaliere, Coniferen und Blumen aller Art. 1834 kaufte der Chirurg und Landarzt Georg Schärtl aus Kriegshaber das ganze Anwesen und ließ den Park dem damaligen Modestil anpassen (englischer Stil) mit lauschigen Plätzchen und geschlängelten Wegen.
Vom Rundpavillon, dem heutigen sog. "Tempel"haus, außen eine Altane, innen rotsamtene Polstermöbel, besah man die militärischen Übungen, Paraden, Pferderennen und Reiterfeste, denen in damaliger Zeit meist Angehörige des königlichen Hauses als Inhaber des Augsburger Regiments beiwohnten.
Im Weiher setzte Schärtl für ärztliche Zwecke eine Blutegelzucht an, im Nebenhause ließ er Essigsprit sieden, der über Deutschlands Grenzen hinaus bis nach Wien bekannt wurde.
Zu diesem Landsitz gehörte damals das Anweisen "Beile Griebl" in der Stadtbergerstr. (ebenso im franz. Mansardenstil erbaut). Das Herrschaftsgut war einst Stolz und Zierde von Kriegshaber. Aber seine Pracht ist längst entschwunden. In das Gutshaus zogen Bauern ein, die sich im Nebenraume mit Kalkbrennerei befassten, deshalb auch der spätere Hausname "Beim Kalkbrenner". Nichts mehr ist zu sehen vom idyllischen Weiher, dem Park mussten Wiesen und Äcker weichen. Der Not der Zeit gehorchend verlegte in den Pavillon ein Schneider seine Werkstätte.
XI. Kirchliche Entwicklung
Das Filialdorf Kriegshaber gehörte bis 18. März 1864 zur Pfarrei Oberhausen, 1/2 Stunde von Kriegshaber entfernt. Auch die Toten von Kriegshaber wurden bis 1864 im Friedhof von Oberhausen beerdigt (Ankauf des Feldes für den heutigen Friedhof von Kriegshaber 1864 um 355 Gulden.) Das Leichenhaus wurde erst 1904 erbaut. 1689 wurde am Westrand des Dorfes Kriegshaber an der Straßenkreuzung Hauptstr.[heute Ulmer Str.]-Neusässer Str. die erste Filialkirche (=kapelle) erbaut, aber schon 1717 abgebrochen, wieder aufgebaut, vergrößert und 1883 wegen Feuchtigkeit wieder abgebrochen. Den Barockaltar des Kirchleins kaufte der Marstallerhof, wo er alljährlich an Fronleichnam als Evangelien-Altar aufgestellt wird [wurde]. Die Ölbilder: Einzug in Jerusalem und Kreuzigung Christi kamen in die Seitenkapelle der Kobelkirche. Die Statuen der 12 Apostel kamen in der [alten] Kirche von Steppach zur Aufstellung.
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts zählte Kriegshaber 600 Katholiken, so dass hier laufend jeden Sonntag eine Heilige Messe gelesen und nachmittags Christenlehre für die Sonntagsschüler erteilt wurde. 1857 wurde Kriegshaber Expositur von Oberhausen. Zum 1. Expositus war ernannt worden Joseph Dirr (später Pfarrer von Kriegshaber). In das Jahr 1866 fällt die Erbauung der 1. Pfarrkriche zur Hl. Trinitatis, zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit unter schwersten Bedingungen, da der Staat keine Baupflichten hatte und die Gemeinde größtenteils aus Unbemittelten bestand. Jahrelang wurde dafür gebettelt, selbst Frauen schafften mit. 16000 Gulden wurden zusammen gebettelt; 3000 fl. geschenkt von der hiesigen Geistlichkeit und aus der Umgebung. 100000 Backsteine und 500 Fuhren Sand waren dafür notwendig. Die Kirche war 120 Fuß lang, 50 ' breit und 40 ' hoch. Zu den neuen Glocken "St. Sebastian" und "St. Michael" und "St. Udalricus" wurde auch das alte Glöckchen von "Maria Heimsuchung" gebracht, das viele Jahre das Taufglöckchen von Kriegshaber war. Melodisch stimmte aber letzteres nie zu den neuen Glocken.
Die 1. Pfarrkriche war keine Marienkirche mehr. Sie wurde zur Allerhl. Dreifaltigkeit geweiht, weil Kriegshaber nur werktätige Bevölkerung hatte und die Patroziniumsfeier nur an einem Sonntag gehalten werden konnte. Als Pfarrherrn walteten die Herren: Joseph Dirr - Xaver Marxer - Ludwig Straßer - Nikolaus Holzheu. Letzterer ließ nach seinem Amtsantritt die reingotische Kirche renovieren, die Altäre entfernen und neu aufbauen u.a.m. Das gotische Türmchen abtragen und die jetzige Form ließ ihm sein  Vorgänger Herr Stadtspfarrer Straßer geben.
Auch Neusäß gehörte kirchlich zu Oberhausen. Erst im Jahre 1900 wurde es Kriegshaber eingepfarrt, heute [1951] ist es eigene Expositur [heute eigene Pfarrei St. Ägidius].
Tochterkirche von Kriegshaber ist "St. Thaddäus" Neukriegshaber, seit 1930 eigene Pfarrei.
Am 13. Juli 1944 wurde die Pfarrkirche von Kriegshaber ein Opfer des Bombenkrieges. Der Turm blieb vollständig erhalten, die Kirche selbst brannte bis auf die Grundmauern nieder, nur das Kuzifix des Hauptaltares, sowie das Relief von der Allerhl. Dreifaltigkeit und die Lourdes-Muttergottes blieben unversehrt unter den Trümmern und zieren heute wieder den Haupt- und Seitenaltar der wiedererrichteten Pfarrkriche von St. Trinitatis. Während des Krieges wurde im Luftschutzkeller des Pfarrhofes die Hl. Messe, später in der Kantine der Mifa, dann in der Turnhalle, bis im Nov. 1950 die bedeutend vergrößert aufgebaute Kirche geweiht werden konnte. [Zum jetzigen Stand der Kirche siehe den Kirchenführer von H. Dreifaltigkeit von 1991].
XII. Schulisches von Kriegshaber
Das ehemalige Zollhaus von Kriegshaber (heute städt. Gebäude an der Ulmer Str. 182) diente als erstes Schulhaus der Gemeinde. Hier war die ganze Volksschule mit 7 Klassen untergebracht. Nachdem sich dieser Bau als zu klein erwies, erbaute man das Schulhaus aus dem ehemaligen Vogteistadel, heute Ulmer Str. 180 mit 4 Schulsälen. Das Dorf wuchs und auch dieses Schulhaus war bald zu klein und die Gemeinde mußte einen Schulhausneubau erstellen, so dass jede der 7 Klassen ihren eigenen Lehrer erhielt. In diesem Schulhaus befindet sich der heutige Kindergarten und -hort, Ulmer Str. 182a. Nachdem aber einige Klassen mit 112 und 116 Schülern bevölkert waren, sah sich die Gemeinde zum letzten Schulhausbau im Jahre 1910 gezwungen, d. i. die heutige Mädchenschule, woran 1928 die Stadt die Knabenschule mit Turnhalle und Schwimmbad anbaute = Ulmer Str. 184a. Die Schüler von Kriegshaber sind teils in der Schule an der Kapellenstr., teils in der Pestalozzischule untergebracht. Die evang. Schüler gehören [gehörten] kirchlich nach St. Johannes, schulisch in die evang. Schule von Oberhausen. Während früher die Schule von Kriegshaber Gemeinschaftsschule war, besucht von Katholiken, Protestanten, Juden u.a. ist sie also heute [1951] Bekenntnischule. [Nach dem Änderung der bayer. Verfassung gibt es wieder im allgemeinen nur eine christliche Schule. 1951 wurde eine evangelische Notkirche in Gebrauch genommen und 1962 St. Thomas geweiht. ]
XIII. Kriegshaber wächst
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte Kriegshaber 600 Seelen, 1844 hatte es in 95 Häusern 960 Einwohner, 1873 schon 1600. Die Fabrikbevölkerung von Augsburg zog wegen zu hoher Wohnungsmiete sehr gerne in die Peripherie der Stadt oder in die umgebenden Dörfer nach Pfersee, Oberhausen, Kriegshaber, Steppach usw. Die Arbeiter bauten sich in Kriegshaber kleine Anwesen oder mieteten sich ein in den Seitenstraßen des Dorfes im "Osterfeld", im "Elend" der damaligen "Grabenstraße" (heutige Markgrafenstr.) im "Rußland" u. dgl.
Der Mangel an Wasserkraft war die Ursache, dass sich in Kriegshaber selbst keine Fabriken niederließen. Die Fabrikarbeiter von Kriegshaber gingen täglich in Mengen über den großen Exerzierplatz nach Pfersee, zur Stadt oder fuhren bis nach Göggingen, um ihr Brot in der Textilindustrie als Spinner, Weber, Färber, in der Tischbeinfabrik der Stadt oder in der Eisenindustrie der MAN zu verdienen. Andere arbeiteten in landwirtschaftlichen Betrieben, in den Gärtnereien von Kriegshaber, in der Dorfschmiede, in der Kalkbrennerei oder in sonstigen kleingewerblichen Betrieben.
Die zugezogenen Juden waren durchwegs Händler. Sie wohnten meistenteils an der Hauptstr. oder am Berg.
1885 erhielt Kriegshaber ein eigenes Krankenhaus, heute Kriegshaberstr. 22 und Armenhaus, heute Kriegshaberstr. 21.
1910 wurde die Straßenbahn vom Bahnhof Oberhausen weitergeleitet bis nach Kriegshaber-Endstation. [Erst im Dezember 2001 wurde die Straßenbahn über das Zentralklinikum bis an den sogenannten Park und Ride-Platz West in Stadtbergen in der Nähe von Steppach verlängert.]
Endlich bekam Kriegshaber auch eine Gasleitung und die Petroleumfunzel und das Acetylenlicht in den Stuben mußte der helleren Beleuchtung durch das Gas Platz machen.
XIV: Kriegshaber wurde am 1. April 1916 der Stadt Augsburg einverleibt als Stadtteil Augsburg 12
Letzter Dorfbürgermeister von Kriegshaber war Joseph Schärtl. An ihn erinnert die Schärtlstraße von Kriegshaber. Verschiedene Straßen wurden sofort umbenannt:
Die Hauptstraße in Ulmer Straße
die Grabenstr. in Markgrafenstr.
die Gartenstr. in Hummelstr.
die Rußlandstr. in Vohenburgerstr.
die Holzmanngasse in Schwabeneckerstr.
die Krähgasse in Ramsbergstr. usw.
Im 3. Reich erhielt die Habsburgerstr. den Namen Langemarckstr., die Lippschützstr. den Namen Vogesenstr.
Der Stadtteil bekam sofort elektrisches Licht, Straßenbeleutung und die meisten Straßen wurden kanalisiert nach den Eingemeindung.
B) Augsburg-Kriegshaber heute
Es gehört zum Polizei-Revier 9
Bei der Volkszählung im Jahre 1951 hatte es:
2731 Haushaltungen
2301 Wohnungen
I. Das eigentliche Augsburg-Kriegshaber
a) Die wichtigsten Straßen
die Ulmer Straße, die Langemarck- und die Markgrafenstr., die Neusässer Str., die Berg-, die Kriegshaber- und Stadtberger Straße, die Rößle- und Hummelstr., die Schmutterstr., die Obere, Mittlere und Untere Osterfeldstr., die Lenz- und Maienstr., die Schelklingen- und Vohenburgerstr., die Fronsberg-, Roggenburger-, Schwabecker-, Rockenstein- und Ramsbergstr., die Vogesen- und Schärtlstr.
Die Ulmer Straße in Kriegshaber
vom Heimgarten bis zur [früheren] Apotheke misst 1 km. Sie durchzieht Kriegshaber in westlicher Richtung bis zur Straßenkreuzung an der [früheren] Apotheke, woran sich die Ulmer Landstr. mit der Stadtgrenze in Richtung Steppach anschließt.

An der Ulmer Straße liegen die Stadtpfarrkirche zur Allerhl. Dreifaltigkeit und der Pfarrhof; ihm gegenüber die ehemalige Synagoge mit den früheren 2 und 3 stöckigen "Judenhäusern" in zusammenhängender Bauweise; die Volksschule Kriegshaber [heute nur mehr Grundschule], der Kindergarten und -hort; die [frühere] Endstation der Straßenbahnlinie 2 (Kriegshaber-Göggingen bis etwa 1992, dann Kriegshaber-Stadtbergen, jetzt endet die Linie 2 am Hauptbahnhof. Wie oben schon erwähnt, wurde im Dez. 2001 die Linie 2 bis über das Zentralklinikum hinaus nach Stadtbergen NW verlängert.])

Gegenüber der alten [früheren] Nothaaß'schen Apotheke zieht sich die Mapag hin, eine kleine Machinenfabrik und Mahlwerke [seit einigen Jahren nun nach Horgau ausgesiedelt, die Gebäude wurden 2002 abgebrochen], ehemals die prächtige "Kapferwirtschaft" Haltestelle der Fahrpost Augsburg-Welden (Ganghofer) in den 80 Jahren des vorigen [19.] Jahrhunderts. Das [frühere] Polizeigebäude [Zollhaus] war davor im Besitz des reichen Juden Einstein.

Große Geschäftshäuser weist Kriegshaber nicht auf. Wohl herrscht auf der Ulmer Str. großstädtischer Verkehr, aber im allgemeinen blieb ihr noch viel von ihrem früheren dörflichen Charakter erhalten.

Zu großer Bedeutung gelangten hier nur die Michelwerke (ehemaligen), die im 3. Reich der Kriegsindustrie dienten. Heute befinden [befanden] sich in den Räumen Verlag und Redaktion der Schwäbischen Landeszeitung und die National Registrierkassen GmbH. 

Die NRK haben hier klein angefangen. Heute leistet das Werk als Nachfolgerin des verlorengegangenen Berliner Betriebes ein Produktionsprogramm, das alle Anforderungen der Kunden erfüllte was Kasse und National-Buchungsmaschinen betrifft. Der Export geht jetzt [1951]  schon in 45 Länder. Aber nicht nur die Stadt, die ganze schwäbische Industrie erhält durch dieses Werk neue Impulse durch Aufträge, die von der NRK an Eisenwerke, Papierfabriken, Zahnräderfabriken und Presswerke erteilt werden. Augsburg beherbergt das größte Werk dieser Art in Europa. Es ist die Stadt der Registrierkassen geworden. 

Auf dem Turm der Michelwerke befindet [befand] sich die Augsburger Wetterwarte.  Auf der Plattform des Turmes ist die Station untergebracht, die mit dem Klimagarten beginnt. Verschiedene meterologischen Instrumente: Windmessgeräte, Schalenkreuzwindmesser und die Windfahne dienen der Feststellung der Windrichtung und der Windstärke. Die Messungen werden registriert und ausgewertet in den Innenräumen der Station, die auch die Luftdruckmesser aufnimmt. Interessant ist die Fernschreibanlage, in welcher der Augsburger Wetterwarte laufend die Ergebnisse anderer Wetterstationen zugehen. Die Arbeit der Wetterwarte dient nicht nur der meteorologischen Wissenschaft, sondern hat große Bedeutung  für die Wirtschaft, Landwirtschaft und Flugwesen. Selbst die Medizin ist an den Ergebnissen der Wetterwarte interessiert, da neue wissenschaftliche Forschungen feststellen, dass viele Krankheitserscheinungen wetterbedingt sind. [Heute ist die Wetterwarte am Flughafen Mühlhausen untergebracht].

Die Anwesen an der Ulmer Landstr. wurden erst in den letzten Jahrzehnten aufgebaut: die Machinenfabrik von Fröschle [nun in Neusäß-Vogelsang gelegen] und Leonhard Schmid [auch dieses Werk ist in die Aussenbezirke gezogen], dann das Quetschwerk bei der Kiesgrube, die bekannte Michel'sche Hasenfarm und die große Gärtnerei von Mayer [auf diesen Grundstücken entstanden Teile des Stadtberger Industriegebietes].

In die Ulmer Str. von Norden her mündet die Neusässer Str. An dieser liegen die großen Gebäude der Flakkaserne, von Hitler erbaut, im Weltkrieg als Fliegerabwehr dienend und amerikanischen Soldaten bewohnt. [Auch dies ist nun Vergangenheit, die Flakkaserne wurde wie die andern Kasernen (Sheridan- und Reese-Kaserne) von den Amerikanern verlassen, die politische Lage hat dies ermöglicht. Die meisten Kasernengebäude sind abgetragen (in einem Gebäude befindet sich ein Asyl-Lager), es sind sehr schöne Eigenheime bzw. Reihenhäuser entstanden, alle im südlichen Teil des ehemaligen Flakgeländes gelegen, in den nördlichen Grundstücke sind mehrere Industrien entstanden, auch die Kriegshaber Freiwillige Feuerwehr hat nun 1995 hier neue Gebäude bekommen. Teile des Geländes, vor allem die Hanglagen und ein Gebiet zwischen den Gebäuden an der Neusässer Str. und der neuen Feuerwehr werden zu Erholungsgebieten ausgebaut.]

Aus der Kriegszeit stammt auch die Lifa, eine kleine Fabrik, in welcher Lichtfilter herstellt werden [auch hier muss man sagen wurden, denn auch dieses Werk wurde ausgesiedelt. Entstanden ist ein sehr großes Wohngebäude (235 Wohnungen), das sich gut mit dem alten Baumbestand verträgt.]

Ihr gegenüber liegt der Friedhof von Kriegshaber, 1864 angelegt, 1904 das Leichenhaus aufgebaut, 1918 vergrößert. Vor dem Leichenhaus steht zwischen zwei mächtigen Lindenbäumen das große Kruzifix aus Kupfer, ein Meisterwerk von Kusterer, Kupferschmied in Kriegshaber, das schon in der großen Weltausstellung in Chicago in Amerika gezeigt wurde. Im Friedhof werden [wurden] auch die Toten von Neusäß und von Lohwald beerdigt. [Hier liegt an dem südlichen Hauptweg, früher an der Mauer, auch das Grab des Ehrenbürgers von Kriegshaber, der Hauptlehrer, Chorregent von Kriegshaber Franz Dürrwanger (1853-1916), seiner Frau Magdalena (1856-1921) und seines Sohnes Kulturhistoriker Dr. phil. Luis Dürrwanger (1878-1959), der hier schon mehrfach mit seinen historischen Schriften zitiert wurde, von denen nur der erste Teil der Geschichte von Kriegshaber bis jetzt im Druck erschienen ist. [Die anderen beiden Teile, in denen u.a.  die Kirchen  und das Judentum in Kriegshaber behandelt, sind als Schreibmaschinen geschriebene Manuskripte im Augsburger Stadtarchiv. Eine auszugsweise Veröffentlichung hier im Internet ist zu einem späteren Heitpunkt geplant. Ebenso liegt hier auch das Grab des Kunstmalers Karl Radinger, der mehrere Werke für die heutige Kirche Hl. Dreifaltigkeit geschaffen hat. Siehe den Kirchenführer von Hl. Dreifaltigkeit von 1991].

An den Friedhof schließt sich die Turnhalle von Kriegshaber an, welche als Notkirche nach dem Krieg der hiesigen katholischen Bevölkerung diente. Früher was sie das Stallgebäude der Kapfer'schen Wirtschaft. [Gleich nach der Zerstörung der Kriche 1944 wurde zuerst ein Raum der Firma Lifa, heute steht dort ein Wohnungskomplex mit ca. 220 Wohnungen mit der Adresse Neusässer Str. 19 ff -27. Danach wurde die Turnhalle benutzt bis 1950 die Kirche wirder eingeweiht werden konnte. Im Rahmen der Vollendung der neuen Umgehungsstraße B17 wurde neben dem Sportplatz auf dem Osterfeld auch die Turnhalle nördlich des Kobelweges für den tradionsreichen TSV Kriegshaber neu erbaut. Die alte Turnhalle wird unter dem Namen Spektrum vorwiegend für musikalische Aufführungen von bekannten Bands genutzt].

Zwei große Gärtnereien, die trotz geringer Bonität ihrer Böden mit bester Ware den Stadtmarkt beliefern [belieferten], ziehen sich an der Neusässer Straße hin, hier wo früher nur Haber und Flachs oder Hackfrüchte angebaut wurden. 

Heute hat Kriegshaber außer den 8 Flüchtlingsgärtnern auf dem Großen Exerzierplatz 5 ausgedehte Gärtnereien. [Über die Neunutzung des Großen Exerzierplatzes wurde oben schon teilweise berichtet. Auch ist hier eine neue Volksschule entstanden, momentan entsteht auch ein Gebäude der Pfarrei St. Thaddäus, das dieses nun von Deutschen bewohnten Gebietes seelsorgerisch betreut. Dann ist noch zu erwähnen, dass aus der ehemaligen High School der Amerikaner eine Sonderschule für Gehörlose entstanden ist. Die Neuwidmung der früheren US-Kasernen ist noch im Gange, da wird später noch einiges nachzutragen sein.]

In die Ulmer Straße von Süden her münden ein die Kriegshaber und die Bergstraße [heute Giesekestraße]. Sie verbinden unseren Stadtteil durch die Stadtbergerstraße [heute heisst sie von der Ulmer Straße bis zur Bürgermeister-Ackermann-Straße Kriegshaberstraße.] Die Kriegshaber- und die Bergstr. sind die ältesten Verkehrswege "auf dem Berg". Ältere Einwohner von Kriegshaber nennen ihn heute "Bollenberg", da die dortigen Flachsbauern: Mittlerer Bauer und der Marstaller auf dem Berg sich in früheren Jahren der "Bollentücher" auf ihrem Erntewagen bedienten, um so die Fruchtkapseln des Flachses restlos über die schlechte Bergstraßen einheimsen zu können.

Der "Zehentstadel" beim Marstaller brannte 1945 beim Bombenangriff ab, wurde in den letzten Jahren in seiner früheren Größe wieder aufgebaut. [Von 1982 bis 2001 war im oberen Teil der Wiener Wald untergebracht, wo man im Nebenzimmer die prächtige Stuckdecke bewundern kann. Seit 2002 ist hier das Restaurant Zum Pfannerlwirt. Andere Gebäude des ehemaligen Marstallerhofes sind durch den Supermarkt Euro Spar ersetzt worden.]

An der Bergstraße 3 ist heute [1951] noch die ehemalige Dorfschmiede zu sehen, die schon auf der Landkarte der Markgrafschaft Burgau 1723 angegeben ist [hier war später eine Kraftfahrzeug-Reparatur-Werkstätte untergebracht, 2001 entstand durch einen großen Umbau das Eiscafe Paulino und unten, in der ehemaligen Werkstätte Jacques' Wein-Depot, der zuvor im Franzosenhof untergebracht war]; im Hintergrund erblickt man im geschlossenen Baustil zusammengebauten Ortsteil auf dem Berg mit überhängenden Gaden, eine für ländliche Siedlungen auffallende Bauweise, früher hauptsächlich von Juden bewohnt, gleichsam das Judenghetto von Kriegshaber. Der jetzige Eigentümer der Häuser Ulmer Str. 205 und 207 ist dabei, die denkmalgeschützten Häuser zu renovieren. Die alte Spenglerei Wiedemann steht heute unter Denkmalschutz. Unten am Berg ist der Gasthof Wiedemann, früher "Beim Schnapser" genannt, wegen der damaligen Schnapsbrennerei = Bergstr. 7.

Die Rößlestraße auf einsamer Flur soll hier in früheren Zeiten ein Bote names Rößle sich sesshaft gemacht haben. Er brachte die ländlichen Erzeugnisse vom Hinterland der Stadt allwöchentlich mit seinem Wagen zum Augsburger Markt.

Die Osterfeldstraßen. Die östlich vom alten Kriegshaber gelegenen Fluren wurden früher "Osterfeld" genannt.

Die Hornsteinstraße ist eine der jüngsten Straßen Kriegshabers (Hornstein schlichtete 1554 die Streitigkeiten zwischen der Markgrafschaft Burgau und der Stadt Augsburg.)

[Die sich daran anschließende Daucherstraße hat ihrem Namen von Hans Daucher, dem vermutlichen Schöpfer der Fugger-Kapelle von St. Anna. Der Name Daucher ist in der Urkunde über die Errichtung der Grablege von 4 Fuggern von Jakob Fugger dem Reichen allerdings nicht genannt, er wurde offensichtlich als bekannt vorausgesetzt.]

Über die Deutung der Straßennamen ist zu lesen:
1. Haßelberger: die Straßennamen Augsburgs und ihre Deutung
2. Das Adressbuch der Stadt Augsburg = Einwohnerbuch von Augsburg.
 

II. Neukriegshaber
a) nördlich der Ulmer Straße bis zum Bahndamm der Linie Augsburg-Ulm, ein Stadtteil jüngsten Datums.
Der Kobelweg verbindet Augsburg mit Westheim, eine alte Straße, wahrscheinlich schon aus römischen Zeiten. An der Ulmer Straße liegt das Werk "Keller & Knappich", das weit über die Grenzen Bayern bekannt ist. Hier werden [wurden] Mülltonnenwagen fabriziert. [Das Werk ist seit einigen Jahren nach Lechhausen umgezogen und ist heute als Roboterspezialist besonders für Automobilfirmen sehr bekannt. Die denkmalgeschützen Fabrikgebäude, um die Jahre nach 1900 gebaut, wurden sehr einfühlsam in ein Wohnkomplex umgewidmet.]
Die Straßen dieses Stadtteils erinnern meist an edle Stifter der Stadt Augsburg, so an Reichenstein, Herbst und Kernried.
b) südlich der Ulmer Straße in Richtung Pfersee, ebenso ein Stadtteil jüngsten Datums.
An der Ulmer Straße liegt die Pfarrkirche St. Thaddäus, die als Tochterkirche von St. Trinitatis während des 2. Weltkrieges aufgebaut wurde. Seit 1950 ist dieser Stadtteil eine eigene Pfarrei: St. Thaddäus.
Die Reinöhlstraße zieht sich am "Galgental" entlang, eine lange breite Straße mit schönen Privatgebäuden.
An der Landvogtstraße wurde unter dem Hitlerregime  die Somme-Kaserne erbaut, die z.T. von DP bewohnt ist. [Wie auch bei den anderen von den Amerikanern aufgegebenen Kaseren findet hier eine Umwidmung statt, die noch im Gange ist. Das ehemalige Offiziersgebäude wird heute kulturell als Theater Abraxas genutzt.]
1490 war die Markgrafschaft Burgau Landvögten unterstellt, woran der Name Landvogtstr. erinnern soll.


Ergänzungen von Heinz Wember

Die Entstehnung der NCR-Fabrik in Augsburg (aus NCR Die Zukunft feiern 1884-1984, Band 1923-1951 Die Ära der Buchführungsmaschinen Seite 40): "Wilhelm Rohm, Leiter der NCR-Organisation in Berlin, ahnte die Niederlage Deutschlands und den Einmarsch der Russen über die Ostgrenze. Zusammen mit einigen treuen Mitarbeitern lud er die Konstruktionszeichnungen, kleine Werkzeuge und Machinen auf Lastwagen und lagerte sie in einem Sektkeller außerhalb Berlins. Rohm erkannte jedoch bald, daß dieses Versteck voraussichtlich auf dem Territorium lag, das zur sowjetisch besetzten Zone werden würde und verlagerte die NCR-Fracht ein zweites Mal. Bei Nacht und Nebel und unter Umgehung der sowjetischen Truppen kam seine kleine Mannschaft schließlich nach Gunzenhausen, in die von Amerikanern besetzte Zone. Diesmal brachte Rohm die Fracht im Keller eines Hotels unter und mietete zwei Räume, die zum ersten NCR-Büro der Nachkriegszeit wurden. Später zog er nach Augsburg und mietete dort eine kleine Fabrik, die mit Stanzmaschinen und Drehbänken ausgerüstet war. Dieses Werk war früher ein Zulieferant von Teilen für Messerschmitt-Flugzeuge. Im letzten Quartal des Jahres 1947 hatte die Augsburger Fabrik bereits 896 reparierte Machinen auf Lager. Um 1951 produzierten 2000 Mitarbeiter in Augsburg jährlich 17.000 Registrierkassen."
Die NCR, die in den 1970-Jahren neben dem gesamten Michelwerken auch noch die neuen nach 1950 entstandenen Gebäude Verwaltung 1 und 2 (=Hochhaus 1967), Fabrik  1 und 2 (2000 abgebrochen), das Versammlungsgebäude, in den frühen 1950er Jahren einer der wenigen intakten großen Säle Augsburgs, in denen zur Faschingszeit große Bälle stattfanden, war später die Werkskantine, wurde 2002 abgebrochen, Halle 1 (erst 2001 abgebrochen) und das 1979 erstellte Schulungsgebäude, hier ist heute eine Großhandelsfirma, alle nördlich der Tunnelstraße gelegen, hatte in den 1970 Jahren allein am Standort Augsburg 5000 Beschäftigte, 2002 etwa 600. Aus den Michelwerken entstand das AGH (Augsburger Gewerbe Hof), in dem nun viele kleinere Unternehmen untergebracht sind, auch ein Neubau wurde in den 1990er Jahren erstellt. Über 50 ehemalige NCR-Mitarbeiter (2002 war die Mitarbeiterzahl etwa 150), hauptsächlich aus der 1996 geschlossenen Fabrik haben zwei neue Firmen gegründet, die PTG (Projekt Trainingsgesellschaft) und die PLG, die Projekt Leistungsgesellschaft, die schon einige Jahre ein neues Produktionsgebäude und seit Mai 2002 auch ein Verwaltungsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Flakkaserne hat. Hier werden Personalcomputer und Kontoauszugsdrucker, inzwischen noch weitere Produkte, entwickelt und montiert. 

Nach dem Krieg baute der damalige Kaplan eine Knabensinggruppe in Dreifaltigkeit auf, die auch an mehren Orten im Landkreis sang und den Erlös für den Aufbau der Kirche spendete (Quelle: Erwin Neher). Später bildete sich daraus ein junger Chor, bei dem dann auch Mädchen mitsangen. Diesen Chor leitete der spätere Schulrat Siegfried Off aus Krieghaber. Viele Sänger aus dieser Gruppe traten in den Kirchenchor von Hlst. Dreifaltigkeit ein, der  zuerst vom Dozenten am damaligen Konservatorium Karl Erhard geleitet wurde und nun schon seit ca. 40 Jahren von Theo Thalmeir geleitet wurde. Aus Alters- und Krankheitsgründen ist er seit Mitte 2006 nicht mehr tätig. Theo Thalmeir war übrigens schon als Schüler Organist an der hiesigen Kirche (sein Vater war langjähriger Mesner hier). Nach Abschluss des B-Examens für Kirchenmusik übernahm er verantwortlich auch den Chor.

Nach dem Krieg wurden die Kasernen von den amerikanischen Truppen genutzt. Für ihre Familien wurden an beiden Seiten der heutigen Bürgermeister-Ackermann-Straße Wohnhäuser gebaut. Hier befand sich früher die Schafweide von Kriegshaber und Schießstände. Südlich der Ackermann-Str. (heute Hooverstr. 15) befindet sich der jüdische Friedhof, der wie schon oben berichtet, Anfang des 17 Jht.  (1627 urkundlich belegt) errichtet wurde, noch bevor die anderen jüdischen Friedhöfe (Haunstetterstr., Fischach, u.a.) bestanden. Im Jahre 1767 wurde ein jüdischer Bürger (Abrahm Mändle aus Kriegshaber) aus München dort beerdigt. (Siehe bei Luis Dürrwanger). Bei der Errichtung dieser Häuser  für die amerik. Familien um 1950 war die Frage, ob der jüdische Friedhof bestehen bleiben sollte. Seit Beginn des Krieges wurde ja wie bekannt, der Friedhof nicht mehr benützt. Kurz nach dem Krieg, als einzelne jüdische Bürger kurzzeitig wieder nach Kriegshaber zurückkehrten, sind noch 2 Personen hier beerdigt worden, ebenso Juden aus anderen Ländern zwischen 1945 und 1950 (siehe). Dabei soll sich der damalige amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower (der um 1945 in Deutschland als General bei den US Truppen war) persönlich dafür eingesetzt haben, dass der jüdische Friedhof in Kriegshaber bestehen bleibt. (Quelle: Erwin Neher).

Seit September 2005 wurden die früher selbstständigen kath. Pfarrgemeinden Hlst. Dreifaltigkeit und St. Thaddäus zu einer Pfarreiengemeinschaft zusammengeschlossen. Leitender Pfarrer ist seitdem Gerhard Groll, Pfarrer Dr. Thomas Groll wohnte im Pfarrhaus Hlst. Dreifaltigkeit, er ist Bistumshistoriker und war bis 2017 noch am Wochenende für die Pfarrei Hlst. Dreifaltigkeit tätig.


Zur Geschichte von Kriegshaber

Quelle: Das schreibmaschinen geschriebene Manuskript wurde von Alois Gumpinger Augsburg-Kriegshaber zur Verfügung gestellt. Texte in runden Klammern sind im Originaltext enthalten, in eckigen Klammern sind von mir ergänzt. Die Arbeit von Frau Binder wurde von Alois Gumpinger, den in den Veröffentlichungen zum 70. und 80. Jahr der Eingemeindung von Kriegshaber nach Augsburg genannten Autoren und teilweise aus eigenen Recherchen von Heinz Wember ergänzt. Berichtigungshinweise und Ergänzungen zur Geschichte von Kriegshaber sind willkommen, wenn möglich mit genauen Quellenangaben.
Änderungsstand: 05-Jun-2007 Upd 17-Mai-2018