Kommentare zu einigen Straßennamen in Kriegshaber



In den Bauakten des Stadtrats Augsburg  ist ein Ausschnitt aus der Neuen Augsburger Zeitung Nr. 408 vom 29. Sept. 1921 betreffend die Daucher-Straße abgeheftet:
Damals bezog sich das auf eine Straße nördlich der Straße nach Kriegshaber bei der Lilienstraße, heute trägt diesen Namen eine Straße am nordöstlichen Rand von Kriegshaber, die über die Hornsteinstraße zu erreichen ist.
"Die Familie Daucher (auch Dauher, Taucher) ist weit über Augsburg und Bayern hinaus bekannt geworden durch ihre beiden hervorragenden Mitglieder, die Bildhauer und Plastiker Adolf und Hans Daucher, deren Hauptwirkungszeit in die beiden ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts fällt. Adolf Daucher, geboren um 1460, zog im Jahre 1491 von Ulm nach Augsburg  und wird bei Erwerbung der Bürgerrechte "Bildhauer von Ulm" genannt. Seine Ausbildung stand ohne Zweifel stark unter dem Einfluß Syrlins und dessen um 1474 vollendeten Chorgestühls. Noch in der Donaustadt heiratete er die Schwester des Bildhauers Gregor Erhart, der 1494 gleichfalls sich in Augsburg niederließ und mit ihm zusammen einzelne Aufträge ausführte. Adolf Daucher war ein vermögender Mann erwarb bald ein Haus und lebte in angesehener Stellung. Er starb 1523 oder 1524.

In alten Chroniken wird Adolf Daucher Bildhauer, häufiger jedoch "Kistler" genannt. Seine Haupttätigkeit lag auf den mannigfaltigen Gebieten der figürlichen Schnitzerei. Schon früh erhielt der rasch bekannt gewordene Künstler recht bedeutende Aufträge, vornehmlich Altaraufsätze, von denen jedoch nichts mehr erhalten ist. Auch von dem von Daucher mitgeschaffenen Hochaltar für das Kloster Kaisheim, an dem auch Gregor Erhart und Hans Holbein d. Ae. beteiligt waren, ist nichts mehr erhalten. Lediglich aus der Reifezeit des Meisters haben wir heute noch Zeugen seiner hervorragenden Kunst. Von dem Aufbau des Chorgestühles der Fuggerkapelle bei St. Anna in Augsburg gibt noch eine Radierung von Daniel Hopfer Aufschluß. Aenlich wie in Ulm waren auch hier auf der Rückwand oberhalb der Spitze verschiedene alttestamentliche Männer und Frauen angebracht. Das Gestühl ist im Jahr 1832 abgebrochen worden; von den 16 Halbfiguren wurden alle bis auf eine, welche der Sammlung Figdor in Wien einverleibt wurde, nach Berlin verbracht. Das zweite große Werk Adolf Dauchers stellt der Hauptaltar der Annakirche in Annaberg im Erzgebirge dar, wohl ein Auftrag des Herzogs Georg von Sachsen. Das imposante Werk wurde, wie verlässige Choniken berichten, in Augsburg angefertigt und 1522 von dem Meister selbst an Ort und Stelle verbracht. In Augsburg sind von Adolf Daucher in der Fuggerkaplle der St. Annakirche noch vier große Marmorreliefs, von denen die beiden mittlerern die Auferstehung Christi und den Kampf Simons, die beiden zur Seite die Wappen der Fugger mit allegorischem Beiwerk darstellen, erhalten. Der Altar in der Ulrichkirche wird von Dr. Wiegand dem ältesten Sohn des Meisters Hans Adolf zugeschrieben und als ein Teil des Altars in der Fuggerkapelle betrachtet.

Hans Daucher, der Sohn des Meisters, gleichfalls ein bedeutender Plastiker, war geboren 1485, lebte in Augsburg zunächst bei seinem Vater, nach dessen Tod in einem Haus "am hinderen Lech", wo er 1538 starb. Feines Stilgefühl, eine glänzende Technik und eine seltene Charkterisierungsgabe zeichneten seine vornehmlich in Solnhofer Stein gearbeiteten, in den Formen der oberitalienischen Renaissance gehaltenen Arbeiten aus. Von dem Künstler, der auch als Medailleur einen ansehlichen Ruf genoß, haben wir in der Margarethenkapelle bei St. Ulrich noch ein plastisches Werk in dem Ritter Funk-Herwart und in der Schloßkapelle zu Wellenburg ein Relief, die Auferstehung Christi darstellend. Außerdem befinden sich in vielen auswärtigen Sammlungen, so in Berlin, Wein, Sigmaringen, wertvolle Stücke von seiner Hand. Die Passionsreliefs, die früher Hans Daucher zugeschrieben wurden, stellen wahrscheinlich eine jüngere Arbeit dar."



Der Deutsche Offiziersbund Ortsgruppe Augsburg e.V. hat mit Datum vom 28.06.1923 an den Stadtrat der Kreishauptstadt Augsburg ein Schreiben betreffs Umbennennung von Strassen und Plätzen nach Schlachtennamen gerichtet. Darin wurde einige Vorschläge gemacht, die auch Straßennamen betrafen, die es heute noch in Kriegshaber gibt:

1. Saarburg
"Zur Erinnerung an die Lothringer oder Saarburger Schlacht. Sämtliche 3 Truppenteile des hiesigen Standorts, sowie die zur 1. Reserve Division gehörigen Truppen, also hier Res.Inf.Regt. Nr. 3 und Res.Feldart.Regt Nr. 1 waren an ihr beteiligt. Die 3 aktiven Regimenter haben auch bei Saarburg den Boden des Kriegsschauplatzes zuerst betreten, waren hier beim Grenzschutz beteiligt, kämpften dabei bei Blâmont Girey und zeichneten sich am 20. August 1914, dem Tage der Saarburger Schlacht bei St.  Johann (Res.Inf.Regt Br.3 und Res.Feldart.Rgr. Nr.1) bei Saaraltdorf und am Saar-Wald (4.F.A.Reft.) aus."
Mit Datum vom 20. Juli 1926 wurde ein Beschluss zur Strassenbennung gefasst: "Die südlich der Landvogtstrasse zukünftig an der Ulmer Bahnline beginnende, unter Kreuzung der Grenz-, Weldishofer- und Reinöhlstrasse über den Exerzierplatz nach Westen führende und voraussichtlich bei der Habsburgerstrasse endigende Strasse wird "Saarburg-Strasse" genannt.

6. Arras
Zu dieser Umbennung für eine Straße kam es nach meiner Kenntnis nicht, jedoch war der ursprüngliche Name der später als Reese-Kaserne benannte Name Arras-Kaserne.
"Schauplatz zahlreicher Kämpfe der Jahre 1914/18, die sich in der ganzen nordöstlichen, östlichen und südöstlichen Umgegend der Stadt zugetragen und bei denen sich fast alle unsere Augsburger Reservetruppen und auch das 4.Feldart.Regt., das Res.Inf.Regt Nr. 3 und Nr. 17, das Res.Kavallerie-Regt. Nr. 1 und das Res.Feldart.Regt. Nr. 1 ausgezeichnet haben."

7. Flandern
"In Westflandern haben alle Augsburger Regimenter mit Ausnahme des 4. Chev.Regt. im Nordosten, Südosten und Südwesten ruhmvoll gekämpft; außer Wytschaete sind alle Brennpunkte der Kämpfe vor Allem Paschendaele, Hollebecke, Zwartemolenhoek und noch viele andere zu nennen. Bei Wegnahme des Kemmel-Berges hat auch die 3. Eskaron des 4.Chev.Regts. im Verbande des Alpenkorps mitgewirkt."

10. Somme
"An den Kämpfen an der Somme haben sich von Herbste 1914 bis fast zum Ende des Krieges sämtliche Augsburger Truppenteile stark beteiligt. Foucoucourt wurde bereits genannt, während der eigentlichen Somme-Schlacht in der zweiten Hälfte des Jahres 1916 waren besonders bereiligt das 4.Feldart.Regt., die Res. Regimenter Nr. 3 und 17, das Res.Feldart.Rgt. Nr. 1."

13. Vogesen
"In den Vogesen kämpfte das Landwehr-Inf.Regt Nr. 3, sowie die 2. Landwehr-Eskardon I. Armee-Korps während des ganzen Krieges mit grosser Ausdauer und Tapferkeit und zeichneten sich dort am Buchenkopf und in den Bergen zwischen Markirch und dem Münsterthal aus."


Quellen: Bauakten des Stadtrats von Augsburg, StadtAA 45 630 5. Band 1912-1927
Änderungsstand: 16-Aug-2010 17:10
Heinz Wember