Hausnummern in Kriegshaber


Ursprünglich wurden die Häuser durchgehend von 1 beginnend nummeriert. Die erste Quelle hierfür ist das Kataster von 1810. In dieser Quelle war das Konzept: das erste Haus auf der Nordseite der heutigen Ulmer Straße von Westen beginnend bekommt die Nummer 1, dann aufsteigend bis Hausnummer 49 in der Nähe der heutigen Firma Sanitär Kratzer, dann die Südseite der Ulmer Straße, nun von Osten beginnend bis zum letzten Haus auf der Südseite der Ulmer Straße, der Marstallerhof, der die Hausnummer 62 im Jahre 1810 und 1892 die Hausnummer schwarz 81 bzw. rot 92 hatte. Die Häuser, die südlich der Ulmer Straße in zweiter und dritter Reihe stehen, wurden weiter aufsteigend nummeriert. 1810 waren es 99 Häuser. Das Osterfeld mit den heutigen Straßen Untere, Mittlere und Obere Osterfeldstraße war 1810 noch nicht bebaut. Ein weiterer Baugrund war die heutige Giesekestraße, damals Am Berg bzw. Bergstraße genannt, dann an der heutigen Kriegshaber Straße und auch an der heutigen Markgrafenstraße. Während die Bebauung an der Nordseite der Ulmer Straße weitgehend lückenlos war, wurde südlich der Ulmer Straße nach und nach viel gebaut. Das brachte es mit sich, dass nun Zwischennummern vergeben wurden, wie es meist üblich ist, Häuser in zweiter und dritter Reihe bekamen Buchstaben angehängt, Häuser, die zwischen bestehenden Häusern gebaut wurden, bekamen Brüche (also 1/2, 1/3, 1/4 etc) angehängt. Eine Quelle, wie es 1913 war, ist das Adressbuch von Kriegshaber. Mit der Eingemeindung von Kriegshaber am 01-Apr-1916 wurde die Nummerierung neu geordnet, im Prinzip genau so, wie es heute noch ist. Die Details der Neunummerierung ist in den Baukakten von 1912-1927 zu finden. Diese handschriftliche Liste enthält den neuen Straßennamen (den von 1917) und die neue Hausnummer, dann ein Feld für eine Unterschrift, mit der der Eigentümer bestätigen musste, dass er die neue Hausnummer innerhalb einer Frist anbringen wird. Sehr häufig haben Frauen gleichen Nachnamens unterschrieben, wohl die Ehefrau (wenn es die Tochter war, wurde es dazugesetzt), ich vermute aber, dass der Ehemann in den meisten Fällen noch gelebt hat, die Frau hat als Vertreterin bzw. Mitbesitzerin unterschrieben. Bei Häusern von Firmen bzw. öffentlichen Einrichtungen hat ein Vertreter bzw. ein Bewohner häufig unterschrieben, ebenso kommt es vor, dass ein Nachbar für den Hausbesitzer unterschrieben hat, in diesem Falle steht dann "Vertreter für Hausbesitzer". Es ist zu vermuten, dass sich die Häuseranzahl zwischen 1913 und dem Tag der Umschlüsselung im Januar 1917 kaum verändert hat, es war seit Juli 1914 Krieg. Wie ersichtlich habe ich die alten Hausnummern EDV-sortiergerecht eingegeben, nicht 1 sondern 001, da dieses Feld vom Typ alphanumerisch sein musste, weil es auch Nummern wie "91 1/5" oder "96b" gab. Aus dieser Crossreferenz-Tabelle lassen sich nun mehrere Listen erstellen: nach alter Hausnummer aufsteigend, nach neuen (von 1917) Straßennamen und Hausnummern, nach Hausbesitzer etc. Es gibt auch eine gedruckte, sehr systematische Quelle für die Umnummerierung, die von der Stadt Augsburg um 1917 verlegt wurde (siehe bei den Quellen). Hier lässt sich eindeutig die Umnummerierung nachvollziehen. Es gibt noch eine Quelle, die ich bei der Erstellung der Crossreference-Liste herangezogen habe, das ist das Stadtadressbuch von Augsburg von 1918, das sich auf den Datenstand vom 01-Okt-1917 bezieht. Alle diese Quellen sind sehr gut, einzelne Häuser sind aber nicht in allen Quelle verzeichnet. Um auch die Namen der Bewohner zeigen zu können, habe ich alle oben genannten Quellen ausgewertet. Obwohl der Straßennamen, die im Adressbuch 1913 von Kriegshaber verzeichnet ist, bei der Identifizierung eines Hauses keine Rolle gespielt hat, wurde er wohl aufgenommen, damit man die Lage des Hauses besser einschätzen konnte.

Die Neuordnung der Straßenbezeichnungen in Kriegshaber war nicht nur eine 1:1 Umbenennung einzelner Straßen (im wesentlichen diejenigen, die es bei der Eingemeindung im Jahre 1916 bereits in Augsburg gab), sondern es wurde jetzt auf eine systematische Zuordnung geachtet, wie sie im Wesentlichen auch heute noch gilt. So wurden z.B. die Häuser im Viertel mit den früheren Straßen Bergstraße - Stadtberger Straße - Gartenstraße - Elendstraße - Grabenstraße ganz neu zugeordnet und nun Bergstraße - Krieghaberstraße - Markgrafenstraße - Schmutterstraße zugeordnet, Details siehe bei den Quellen oder auch in den verschiedenen Listen der Crossreference-Datei.

Dass es seit der Eingemeindung von Göggingen die Straße Bergstraße nicht mehr in Kriegshaber gibt, sondern nun Giesekestraße heißt, ist aber problemlos zu erkennen, weil die Hausnummern unverändert übernommen wurden.

Es scheint so, dass ein bestimmtes Haus, zumindest gilt dies für die Südseite der Ulmer Straße, in der Zeit zwischen 1810 und 1917 verschiedene Hausnummern hatte, detaillierte Quellen hierzu im Staatsarchiv Augsburg habe ich noch nicht ausgewertet. Allerdings kenne ich ein Beispiel, nämlich den Mittelbauernhof, wo ein Nachkomme des Mittelbauern alle diese Hausnummern (allerdings ohne das Datum der Änderung) festgehalten hat. Es ist zu vermuten, dass dies bei mehreren Häusern der Fall war. Eine gute Quelle ist der Häuserplan von 1892 des Landesvermessungsamtes Augsburg, in dem auch die Hausnummern verzeichnet sind. Eine weitere gute Quelle ist ein Plan 1:1.000, der um 1917-1926 entstanden sein dürfte.

Vor 1917 gab es in Neukriegshaber (= Galgental, weil hier zu reichstädtischer Zeit der Galgen für Augsburg stand) nur sehr wenige Häuser, in den Bauakten der Stadt Augsburg sind die Unterlagen über die neu vergebenen Straßennamen enthalten. Ebenfalls ist mir aufgefallen, dass verschiedene Straßen in Neukriegshaber 1918 Oberhausen zugeordnet waren, z.B. Tunnelstraße, Lilienstraße. Ebenso war dies für einige Gebiete, die 1918 noch nicht bebaut waren, der Fall, z.B. die Häuser in der heutigen Dr.-Dürrwanger-Straße, natürlich die Neubauten im Gebiet der ehemaligen Flakkaserne. Ein weiteres Gebiet ist die ehemalige Unebene (Gemeindeweide) und die Gebiete östlich davon (Neukriegshaber), wo die Straßenbezeichnungen völlig neu gemacht wurden. Auch in der Zukunft (ab 2010) wird sich wieder einiges ändern, wenn die ehemalige Reese-Kaserne neu bebaut wird.


Quellen:
Stadtarchiv Augsburg: Bauakten  45 630 5. Band Stadtrat Augsburg Straßenbenennung, 322/7304 1912-1927 (StadtAA)
Landesvermessungsamt Augsburg: Karte Kriegshaber von 1892
Staatsarchiv Augsburg: Kataster von Kriegshaber 1810
Adressbuch der Gemeinde Kriegshaber herausgegeben 1913, herausgegeben und verlegt von L. Leicht Augsburg-Lechhausen
Stadtadressbuch von Augsburg 1918
Gegenüberstellung der neuen Straßenbenennungen und Hausnummerierung im Stadtbezirk Augsburg-Kriegshaber ca 1917.

Straßen und Hausnummern  , Homepage Kriegshaber  

Änderungsstand: 06-Aug-2010 10:15
Heinz Wember